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Strip Poker

Posted avril 2, 2020 By admin

Theaterstücke von Jean-Pierre Martinez in deutscher Übersetzung

Zum Autor

Jean-Pierre Martinez, geboren 1955 in Auvers-sur-Oise bei Paris, hat seine ersten Bühnenerfahrungen als Schlagzeuger verschiedener Rockgruppen gemacht. Nach Studium und eigener Lehre von Text- und Bildsemiotik an sozial- und theaterwissenschaftlichen Hochschulen (EHESS, Ecole Pratique des Hautes Etudes en Sciences Sociales; Conservatoire européen d’écriture audiovisuelle, CEEA) wurde er in der Werbebranche tätig, verfasste nebenher schon bald Drehbücher für das Fernsehen und kehrte schließlich als Theater-Autor und Dramaturg an die Bühne zurück.
Martinez zählt zu den produktivsten und meistgespielten der heutigen Theater- und TV-Drehbuchautoren Frankreichs und des französischsprachigen Auslands. Bis dato hat er an die 100 TV-Drehbücher und mehr als 70 Komödien verfasst, von denen einige zu Klassikern geworden sind (Vendredi 13 oder Strip Poker). In englischer und spanischer Übersetzung werden seine Theaterstücke regelmäßig auf Bühnen in Nord- und Lateinamerika gespielt.
Um seine Komödien interessierten Theatergruppen nahezubringen, hat Martinez sie zum freien Download auf einer eigenen Internet-Plattform eingestellt: La Comédiathèque, comediatheque.net. In Papierform (zum Preis der entsprechenden Fotokopien) können die Texte über die Webseite The Book Edition bestellt werden. Die Rechte für die Bühnenaufführung können / müssen über die Verwertungsgesellschaft SACD erworben werden.

Alle Stücke von Jean-Pierre Martinez können gratis von seiner Webseite heruntergeladen werden:

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Wenn Sie ihn öffentlich darbieten möchten – gleich ob auf einer etablierten Bühne oder in einem Laientheater – müssen Sie die Aufführungsrechte beim Autor einholen:
Kontakt: comediatheque.net

Strip Poker

Die Nachbarn zum Kennenlernen einladen, kann zu einem gewagten Poker-Spiel werden, bei dem alle ihre Karten auf den Tisch legen müssen…

Personen

Pierre – Marie – Jacques – Céline

© La Comédi@thèque

ERSTER AKT

Marie, blond, ziemlich sexy und gestylt, deckt den Wohnzimmertisch festlich für vier Personen. Ihr Handy klingelt. Sie geht ran.

Marie (liebenswürdig): Ja, hallo…? (genervt) Ah, nein, tut mir leid, Sie sprechen nicht mit Pierre, sondern mit Marie, seiner Frau… Sie haben auf mein Handy angeru­fen… Kann ich ihm etwas ausrichten…? Gut… Nein, nein, ist nicht schlimm…

Sie macht sich wieder an ihre Vorbereitungen, mit leicht aufgedrehter Heiterkeit. Ihr Handy klingelt wieder.

Marie (etwas genervter): Ja, hallo…? (liebenswürdig) Ah, Jérôme, du bist es… Doch, doch, mir geht’s gut… Hab ich dir schon erzählt, dass ich aufgehört hab zu rauchen… ? Naja, seit heute Morgen… Nee, schwanger bin ich nicht, keine Sorge, aber ich war immerhin bei zwei Päckchen am Tag. Ich hab das mal durch­gerechnet. Bei den Zigarettenpreisen kann ich mir in einem Jahr eine Safari in Kenia leisten. Und wenn ich auch nur eine Woche durchhalte, kann ich mir schon eine Metro-Monatskarte für zwei Zonen kaufen. Na jedenfalls hab ich mir von dem, was ich heute schon gespart habe, ein großes Glas Nutella gekauft… (seufzt) Ich hab nicht gedacht, dass es so schwer wird… Aber was soll’s! Inzwischen kannst du ja nicht mal mehr auf dem Friedhof rauchen… Ach, Pierre, dem geht’s gut, wir sind guter Hoffnung… Nee, ich meine, seine Arbeit… Du, ich muss Schluss machen, mein Schweinebraten mit Backpflaumen trocknet gleich aus. Wir hören voneinander, ok? Ciao, ciao.

Marie legt auf, schnuppert und wirft einen besorgten Blick ins Publikum.

Marie: Es riecht nach Gas, oder…?

Sie läuft in die Küche, um ihren Schweinebraten zu versorgen. Pierre, im Intellek­tuel­len-Look, kommt pfeifend rein, Regenmantel über der Schulter, den „Parisien“ unterm Arm. Er hängt den Regenmantel auf, setzt sich auf die Couch und blättert die Zeitung durch. Schlagzeile auf der Titelseite: „Krebs durchs Handy?“ Marie erscheint wieder. Pierre legt die Zeitung hastig zurück auf den Tisch und setzt eine tragische Miene auf.

Marie (vergnügt): Hallo, Süßer!

Pierre (finster): Hallo…

Marie (bemerkt seine Miene): Was issn los?

Pierre: Meinen Job werd ich los…

Marie: Du wirst deinen Job los? Was soll das heißen?

Pierre: Standortverlagerung…

Marie: Au Mist!… Das tut mir echt leid…

Pierre ist nur noch ein Häufchen Unglück.

Pierre (mit Leidensmiene): Sag, dass du mich nicht verlässt!

Marie nimmt ihn in die Arme, um ihn zu trösten.

Marie: Wie kommst du denn auf so was? Ich hab doch Arbeit! Weißt du, was? Ich hab mit dem Rauchen aufgehört. Mit dem, was ich da einspare, könntest du schon fast in Teilzeit arbeiten… Und außerdem: wenn wir den Gürtel enger schnallen müssen, dann werden wir ihn eben enger schnallen. (Hält sich eine Hand auf den Bauch) Ich ess dann auch kein Nutella mehr…

Pierre (lässt nicht locker): Ich will dir nicht auf der Tasche liegen, weißt du… Lieber mache ich dem Ganzen ein Ende…

Marie: Jetzt red doch nicht so einen Käse… Wir sind verheiratet, Pierre! In guten wie in schlechten Zeiten! Die besten Zeiten heben wir uns für den Schluss auf!… Aber das ist schon krass, dass sie euch einfach so verlagern, ohne Vorwarnung.

Pierre: Du weißt doch, bei der Globalisierung heutzutage…

Marie: Trotzdem!… Die Bibliothèque Nationale verlagern… Wo wollen sie denn hin damit? Das ist doch ein Riesen-Kasten…

Pierre: Nach China… Es wird alles in Kisten verpackt und dann in einem Gewerbegebiet nahe Kanton wieder aufgebaut. Mit einem von den Türmen haben sie schon angefangen…

Marie (bestürzt): Nee, echt jetzt…?

Pierre: Doch…

Marie: Aber was wollen sie denn mit den ganzen Büchern anfangen, die Chinesen? Die verste­hen doch kein Wort. Die können das nicht mal alphabetisch ordnen…

Pierre: Die gesamte französische Literatur wird per maschineller Übersetzung ins Esperanto übertragen, dann digitalisiert und auf einem gigantischen zentralen Rech­ner abgespei­chert, der die Form einer Pagode hat. Wer Zugang zu den Dateien haben will, muss natürlich ein Abo abschließen, wie für einen privaten Fernseh­sender, Canal Plus oder so. Was das Papier angeht, das wird recycelt. Dadurch wird wenigstens verhindert, dass sie auch noch die letzten Hektar Eukalyptus-Wälder in China abholzen (seufzt) Mein Opfergang könn­te immerhin ein paar Pandas retten…

Marie (niedergeschmettert): Das kann doch nicht wahr sein…

Pierre versucht, ernst zu bleiben, dann platzt er lachend heraus.

Pierre: Natürlich nicht! Hast du mir so einen Blödsinn wirklich abgenommen?

Marie (sauer und erleichtert zugleich, schlägt mit einem Sofakissen nach ihm): Mit sowas macht man keine Witze…

Pierre: Stimmt, das ist jetzt nicht der richtige Moment, meinen Job zu verlieren. Ist ja nicht schlecht bezahlt… und ich hab genug Zeit zum Schreiben… Ach, übrigens, die gute Nach­richt: der Verlag Les Éditions Confiden­tielles will mein Stück herausbringen!

Marie (täuscht Begeisterung vor): Les Éditions Confiden­tielles… Genial!

Pierre: Naja… Auf Kosten des Autors… Ich muss mindestens viertausend Stück verkaufen, um die Kosten für den Druck reinzubekommen. Viertausend Exemplare – das geht doch schnell weg, meinst du nicht?

Marie: Wenn sich’s deine und meine Eltern teilen… 2000 Exemplare für jede Partei!

Pierre reibt sich die Hände mit einem zufriede­nen Lächeln.

Pierre: Also… Essen wir jetzt? Heute Abend steht Strip Poker auf dem Pro­gramm.

Marie (versteht nicht gleich): Wie – sollen wir beide einen Strip Poker hinlegen?

Pierre: Strip Poker – diese Reality-Show im Fernsehen, du weißt schon!

Marie: Nö…

Pierre: Wo sie Paare einladen; und immer, wenn einer der beiden Ehepartner es für klüger hält, nicht auf eine Frage des anderen zu antworten, muss er oder sie ein Kleidungs­stück ausziehen!

Marie (seufzt): Ich verstehe echt nicht, wie du dir so einen Schwachsinn ansehen kannst…

Pierre: Och, nur noch dieses eine Mal! Heute Abend ist das Finale!

Marie: Tja, Finale oder nicht, das muss diesmal ausfallen…

Pierre: Ist die Glotze kaputt?

Marie: Nee… Aber das mit dem Fernsehen wird heute nichts…

Pierre: Bekomme ich etwa Fernsehverbot?

Pierre merkt, dass der Tisch für Vier gedeckt ist.

Pierre: Sag bloß, du hast deine Eltern einge­laden?

Marie: Die Nachbarn.

Pierre: Die Nachbarn? Die sind doch vor einem Monat weggezogen…

Marie: Die neuen Nachbarn!

Pierre: Die neuen Nachbarn? Aber die kennen wir doch gar nicht!

Marie: Eben. Ich bin der Frau bei den Müllton­nen begegnet. Und hab gedacht, das wäre die Gelegenheit zum Kennenlernen.

Pierre: Und wozu?

Marie: Einfach zum Kennenlernen, nicht mehr.

Pierre: Wozu sollen wir sie kennenlernen?

Marie: Es ist immer gut, seine Nachbarn zu kennen… Und sich mit kleinen Gefälligkeiten auszuhelfen…

Pierre: Gefälligkeiten…? Was für Gefälligkeiten?

Marie: Was weiß ich… Die Blumen gießen, wenn wir nicht da sind…

Pierre: Die einzige Pflanze – die in meinem Arbeitszimmer – hat deine Katze letzten Sonntag aufgefressen, als wir bei deinen Eltern zum Mittagessen waren.

Marie: Genau deswegen! Wenn jemand da gewesen wäre, um sie zu füttern, hätte sie deine Pflanze verschont… Übrigens komisch, ich hab sie heute noch überhaupt nicht gesehen…

Pierre seufzt.

Pierre (besorgt): Sie haben bestimmt Kinder, oder?

Marie: Drei, glaub ich.

Pierre: Sag bloß nicht, die hast du auch eingeladen?

Marie: Die bleiben bestimmt lieber ungestört zu Hause. (Ironisch) Um ja nicht das Finale von Strip Poker zu verpassen.

Pierre: Musst du so drauf rumreiten?

Marie: Außerdem ist es gleich nebenan…

Pierre: Ach, du hast gar nicht die von gegenüber gemeint?

Marie: Die Nachbarn von gegenüber haben doch vor sechs Monaten Selbstmord began­gen! Erinnerst du dich nicht mehr an die ganzen Feuerwehrautos, das Blaulicht, die Sirenen, mitten in der Nacht?

Pierre: Nee…

Marie: Also, mich hat das damals aus dem Schlaf geris­sen und ich hab seitdem Albträu­me… Sie haben das Gas aufgedreht… es hat nicht viel gefehlt und das ganze Viertel wäre in die Luft geflogen…

Pierre: Es gibt wirklich Leute, die nur an sich denken… Und wieso haben die Selbstmord begangen? Und auch noch paarweise?

Marie: Keine Ahnung! Vielleicht war nichts Besonde­res im Fernsehen, an dem Abend… (will etwas andeuten) Vielleicht, wenn wir sie eingeladen hätten…

Pierre (findet das weit hergeholt): Erzähl mir jetzt nicht, dass du die Nachbarn zum Essen eingeladen hast, damit du dich nicht schul­dig fühlen musst, wenn sie vorhaben sollten, ausgerechnet heute Abend Selbstmord zu begehen…?

Sie zuckt mit den Schultern.

Marie: Ach, übrigens, komisch, ich habe heute ein paar Anrufe für dich auf mein Handy bekommen.

Pierre: Ach ja, entschuldige, ich weiß nicht, wo meines hingekommen ist… Deswegen habe ich auf dem Anrufbeantworter in meinem Büro deine Nummer hinterlassen… Für den Fall, dass ein Herausgeber versucht, mich zu erreichen, wegen meinem Theaterstück… Es ist besser, dass ich jederzeit erreichbar bin, verstehst du…

Marie (fassungslos): Meine Handy-Nummer? Wär’s nicht einfacher gewesen, dass du dir gleich ein Neues zulegst?

Pierre: Pff… Ich hab mir gedacht, dass man auch ganz gut ohne leben kann, oder?

Marie: Ach soo… Wenn man eine Ehefrau an der Hand hat, die die Telefonistin abgibt…

Pierre: Hör mal, du versuchst gerade, mit dem Rauchen aufzuhören und ich hab mir vorge­nom­men, mit dem Handy Schluss zu machen. Mal sehen, wer länger durchhält.

Marie (gereizt): Ja, aber ich verlange auch nicht von dir, meine Zigaretten zu rauchen!

Statt zu antworten, vertieft sich Pierre wieder in die Lektüre seines „Parisien“, von dem nur die Zuschauer die Schlagzeile („Krebs durchs Handy?“) lesen können, nicht Marie. Marie wirft ihm einen genervten Blick zu.

Marie: Du könntest dir vielleicht was Anderes anziehen, bevor sie kommen?

Pierre: Wer?

Marie: Die Nachbarn!

Pierre: Ach ja, stimmt! Die hatte ich ganz vergessen…

Pierre fügt sich in sein Schicksal und steht auf um sich umzuziehen.

Marie: Ich schau mal nach, ob der Backofen nicht ausgegangen ist. Es riecht ein bisschen nach Gas… findest du nicht?

Pierre zuckt die Schultern und geht ab Richtung Schlafzimmer. Marie geht auch einen Augenblick raus und kommt mit Flaschen und Gläsern für den Aperitif zurück. Pierre kommt kurz danach zurück, in Schlabber-Look.

Marie (glaubt ihren Augen nicht): Hast du einen Schlafanzug angezogen?

Pierre: Das ist kein Pyjama! Das ist ein… Jogging-Anzug für zuhause.

Marie: Und deine Filzlatschen sind wohl die dazu gehörige Ausstattung für zuhause?

Pierre: Hör mal, wenn wir schon nichts Besseres zu tun haben als den Nachbarn etwas näher zu kommen, können wir’s doch gleich etwas locker angehen, oder?

Marie: Und was soll werden, wenn er im Anzug mit Krawatte erscheint und sie im Abendkleid … Von einer Pyjama-Party hab ich denen nichts erzählt…

Er geht mit einem Seufzer ab. Sie macht mit ihren Vorbereitungen weiter. Er kommt in einer etwas konventionelleren Aufmachung zurück.

Pierre (ironisch): Besser so?

Marie (nicht wirklich überzeugt): Geht so…

Pierre schaut die Post auf dem Beistelltisch durch.

Pierre: L’Avant-Scène, Actes Sud, Les Éditions Théâtrales… lauter Bühnenverlage…

Sie schaut ihn überrascht an.

Pierre: Is nur ein Scherz, leider… (sieht noch mal auf die drei Briefabsender). Telecom, Strom, Wasserwerke… (seufzt) Das glorreiche Trio….

Marie (will ihn aufmuntern): Wahrscheinlich streikt die Post mal wieder. Dann wird nicht alles zugestellt, nur Rechnungen.

Das Handy von Marie klingelt. Sie geht ran.

Marie: Ja…? (mit vorgetäuschter Liebenswürdigkeit) Nein, das ist hier die Zentrale, aber einen Moment, ich verbinde. (Hält Pierre ihr Handy hin) Dein Freund Patrick…

Er nimmt das Handy, als ob nichts wäre.

Pierre: Ja, hey Patrick… Wie geht’s?… Ja, nich? Ist schon wieder eine Weile her… Dienstag? Ja, klar, warum nicht… Aber ich muss das erst mit Marie absprechen. Sie ist gerade beschäftigt. Ruf mich morgen noch mal an, ja?… Ähm… ja, wenn ich nicht zuhause bin, kannst du’s auf dem Handy versuchen…

Marie ihn sieht ihn finster an.

Pierre: Ok, bis dann, Patrick…

Er legt auf.

Pierre: So ein Klotz.

Marie: Was wollte er denn?

Pierre: Uns zum Abendessen einladen, am Dienstag. Zum Geburtstag seiner Frau…

Marie: Ich hab gedacht, er ist dein bester Freund…?

Pierre: Geburtstage finde ich deprimie­rend…… Lade ich ihn etwa zu deinen Geburtstagen ein…?

Marie: Dazu müsstest du dir erst mal merken, wann ich Geburtstag habe… …

Pierre: Nee, wirklich, ohne Handy wird’s bestimmt ruhiger… So… Und wo hängen jetzt diese Nachbarn rum … Die werden uns doch nicht damit kommen, dass sie im Stau gestanden haben – wo sie gegenüber wohnen!

Marie: Nebenan…

Pierre: Eben, die müssen ja nicht mal über die Straße…

Marie: Jetzt beruhig dich, ist ja erst neun Uhr…

Pierre: Um die Zeit sind wir normalerweise schon fertig mit dem Abendessen. Ich krieg allmählich Kohldampf… (angeregt) Besonders, wenn es so lecker riecht. (Ungläubig) Was hast du uns denn Feines geköchelt?

Marie (stolz): Schweinebraten mit Backpflaumen. Das Rezept habe ich aus Elle

Pierre: Aah… Hm… ich weiß ja nicht, ob das der rich­tige Zeitpunkt für Experi­mente ist, aber na gut…

Schweigen.

Pierre: Ich weiß nicht mal, wie die heißen, diese Leute…

Marie: Sie heißt Céline und er Jacques, glaub ich…

Pierre: Na, schau an, ihr seid ja schon richtig intim geworden… Und wie heißen sie mit Nachnamen?

Marie (überlegt): Puh, weiß ich nicht mehr. Klingt nach Waschmittel…

Pierre: Coral?

Marie schüttelt den Kopf.

Pierre: Frosch?

Marie schüttelt wieder den Kopf.

Pierre: Oder etwa Omo?

Marie (der es wieder eingefallen ist): Ariel! (zögert noch einmal) Oder Mariel…

Pierre: Also was jetzt – Mariel oder Ariel?

Marie: Ich weiß es nicht. Sie hat sich mit „Madamariel“ vorgestellt… Na, wird sich herausstellen … Ist doch nicht wichtig, oder?

Pierre: Schon ein bisschen! Weil – wenn sie Ariel heißen, dann kannst du deinen Schweinebraten… Obwohl… sie können immerhin noch die Pflaumen essen. Ist gut für die Verdauung…

Marie (in heller Aufregung): Mist – da hab ich gar nicht drangedacht…

Pierre: Tja… so ist das, wenn man Leute einlädt, die man nicht kennt…

Marie: Na, woher hätte ich das wissen sollen? Jacques und Céline, das klingt nicht…

Pierre: Die Muslime heißen auch nicht alle Mohammed …

Marie: Ach, weil du glaubst, dass sie Muslime sind …?

Pierre: Egal, für den Schweinebraten mit Pflaumen kommt das aufs Gleiche raus, oder?

Marie: Vielleicht sind sie ja nicht strenggläubig…

Pierre: Aber vielleicht solltest du doch schon mal eine Tiefkühl-Pizza auftauen… eine vegetarische, vorzugsweise…

Marie seufzt. Es klingelt. Marie gerät in Panik.

Marie: Was machen wir jetzt?

Pierre: Hmm… ich glaube, du musst nur noch die Türe aufmachen. So läuft das doch im Allgemeinen, wenn man Leute eingeladen hat, die dann auch noch an der Türe klingeln… (hoffnungsvoll) Oder aber, wir machen schnell das Licht aus und schauen uns Strip Poker an – im Badezimmer…

Marie: Ich geh schon…

Sie verschwindet im Flur, um die Türe aufzu­machen und die Nachbarn zu begrüßen.

Marie (off): Guten Abend, schönen Guten Abend… Kommen Sie herein, immer hereinspaziert… (nimmt das Geschenk in Empfang, das ihr die Nachbarn überreichen) Ach, das wär doch nicht nötig gewesen, wirklich nicht…

Pierre (zur Seite, mit einem Seufzer): Ein Geschenk Marke Omo… oder Ariel…

Marie kommt wieder ins Esszimmer, mit einem Blumenstrauß in der Hand, hinter ihr die Nachbarn.

Pierre (imitiert ironisch die gekünstelte Liebenswürdigkeit von Marie): Seien Sie gegrüßt, herzlich willkommen…!

Marie: Was sind das für Blumen? Margeriten? Die haben ja enorme Blüten!

Céline (verlegen): Tulpen…

Marie: Aber natürlich, die sind ja wunderbar!

Céline: Sie haben vielleicht ein wenig unter der Hitze gelitten…

Die Blumen sehen tatsächlich ernsthaft mitgenommen aus.

Marie: Wir stellen sie gleich ins Wasser…

Pierre: Das wird sie vielleicht zu neuem Leben erwecken…

Die Nachbarn treten ein. Céline, dunkelhaarig, um die Fünfzig, die man ihr aber nicht ansieht, zierlich, elegant und dabei klassisch angezogen, in so etwas wie einem Kostüm und mit Haarknoten. Jacques, eher schwer und füllig, mit einer Flasche in der Hand, trägt einen Anzug, der genauso heruntergekommen ist wie die Blumen. Alles in allem ein konventioneller Look, im Stil klar unter­schieden vom jugendli­chen und lässigeren Stil von Pierre und Marie. Marie stellt sie einander vor.

Marie (zu Jacques): Darf ich vorstellen, das ist mein Mann (hebt den Familiennamen hervor) Pierre Safran

Die beiden Männer geben sich die Hand.

Pierre (lustlos): Sehr erfreut…

Marie (zu Jacques): Und Sie sind…?

Jacques (mit einem Lächeln): Jacques…

Marie: Einfach nur Jacques, sehr schön….

Jacques übergibt Pierre seine Flasche.

Jacques: Hier, am besten gleich in den Kühlschrank damit…

Pierre: Ah, eine Blanquette de Limoux, ein Crémant! Besten Dank, Jacques…

Jacques: Gekühlt genauso gut wie Champagner, oder?

Pierre (ironisch): Ja, warum sich gleich ruinieren. Ich leg ihn ins Tiefkühlfach… Dann wird er noch besser.

Pierre bringt die Flasche in die Küche.

Marie (verlegen): Haben Sie’s gleich gefunden?

Die Nachbarn von nebenan schauen sich verdutzt an.

Marie (korrigiert sich): Nein, ähm… ich meine: nicht den Weg zu uns, Sie wohnen ja gleich nebenan… Ich wollte sagen, haben Sie ohne Probleme… (sie improvisiert) jemanden gefunden, der auf ihre Kinder aufpasst…?

Céline: Ach so, ja, ganz einfach: die Große passt auf die Kleinen auf… Aber wenn’s Ihnen nichts aus­macht, werden wir später mal rüberschauen…

Pierre kommt zurück.

Marie: Und wie heißen Ihre Kinder?

Céline: Sarah, Esther und der jüngste heißt Benjamin.

Marie strengt sich sichtbar an, daraus auf die Religionszugehörigkeit der Nachbarn zu schließen, aber ohne großen Erfolg.

Marie: Klar, Benjamin… Ist ja logisch… Das Nesthäkchen.

Céline: Sie haben keine Kinder, nicht wahr…?

Etwas peinliches Schweigen.

Marie: Noch nicht… (gibt sich einen Ruck) Entschuldigen Sie die Nachfrage, aber Ihr Familienname – war das Mariel, wie der Schauspieler oder Ariel…?

Pierre: Wie das Waschpulver…

Jacques: Mariel.

Marie (erleichtert): Uff! Wir hatten Angst, dass Sie Juden sind!

Unbehagen bei den Gästen. Marie kommt ins Stocken, aber fängt sich noch einmal.

Marie: Ach, entschuldigen Sie, es ist nur so, dass ich einen Schweinebraten mit Pflaumenfül­lung im Rohr habe… Aber das können wir noch ummodeln. Irgendwo im Gefrierfach muss noch eine Quiche Lorraine rumliegen… Das macht keine großen Umstände…

Pierre: Sonst können wir die Einladung ja auch auf ein anderes Mal verschieben…

Marie wirft ihm einen vernichtenden Blick zu.

Céline (entspannter): Ach, nicht doch, Sie brauchen keine Rücksicht auf uns zu nehmen. Der Schwei­­nebraten geht vollkommen in Ordnung.

Jacques (mit trockenem Humor): Nur Ihre Pflaumen… die sind hoffentlich koscher? (sieht zufrieden, wie verlegen Marie wieder wird) Nein, ich mach nur Spaß. Haupt­sache, sie sind entsteint! Das sag ich immer, wegen der Zähne. … Und Sie, wie war Ihr Familienname gleich wieder? Curry?

Marie: Safran…

Jacques: Ach, schade… (Pierre und Marie verstehen nicht).

Jacques (selbstzufrieden): Na, wegen Pierre und Marie… (Pierre und Marie verstehen immer noch nicht.) Pierre und Marie Curie!

Céline findet den Witz ihres Mannes auch ein wenig plump.

Marie (lächelt etwas gequält): Sie haben echt Humor, das gefällt mir… Ist doch egal, ob Jude oder Moslem, oder?

Pierre: Ja, genau, es hätte noch schlimmer kommen können! Dass Sie so was wie Zahnarzt oder Informatiker sind…

Erneutes Unbehagen.

Marie (will die Stimmung etwas auflockern): Wie wär’s mit einem Ape­ri­tif?

Licht aus

ZWEITER AKT

Die beiden Ehepaare trinken Aperitif. Pierre und Marie sehen absolut gelangweilt aus, aber bemühen sich, Jac­ques bei seinen nichtssagenden Auslassungen aufmerk­sam zuzuhören.

Jacques: Für uns Zahnärzte besteht das Problem mittlerweile darin, dass wir mehr Zeit damit verbringen, Formulare auszufüllen als Zäh­ne zu behandeln. Und dann auch noch alles per Computer… Ich sage immer: ich habe gelernt, wie man mit einem Bohrer um­geht, aber nicht mit einer Maus. Zum Glück hilft mir meine Frau. Informatik, das ist ihr Metier, nicht meins…

Pierre und Marie nicken beifällig.

Jacques: Nein, und außerdem wird man heutzutage als Selbstständiger auch von diesen Abgaben erdrückt… Apropos, kennen Sie den schon?

Pierre und Marie schauen höflich interessiert drein.

Jacques: Ein Zahnarzt ist mit seiner Frau auf Kreuzfahrt im Pazifik. Das Schiff erleidet Schiffbruch und geht unter…

Marie bricht in schallendes, aber aufgesetztes Lachen aus. Die anderen schau­en verständnislos.

Jacques: Ähm, nein, es geht noch weiter…

Marie wird wieder ernst.

Jacques: Sie treiben eine Woche lang auf hoher See, bevor sie auf einer einsamen Insel stranden. Die Frau macht sich natürlich schon bald Sorgen und sagt zu ihrem Mann: Die werden uns nie finden!

Marie bricht abermals in Lachen aus.

Jacques: Nein, die Pointe kommt erst noch…

Marie wird wieder ernst.

Jacques: Der Mann zur Frau: Du hast doch hoffentlich daran gedacht, vor unserer Abfahrt noch die Steuer und die Versicherungsbeiträge zu überweisen? Sagt die Frau: Nee! Er: Dann mach dir keine Sorgen – die finden uns!

Jacques lacht lauthals über seinen eigenen Witz. Marie ist vorsichtig und lacht nicht.

Jacques: Das war’s jetzt…

Marie bringt ein etwas dümmliches Lächeln zustande. Jacques zieht ein Päck­chen Ziga­retten heraus und bietet Pierre eine an.

Jacques: Zigarette?

Pierre: Nein danke, ich rauche nicht…

Jacques hält das Paket Marie hin.

Marie: Ich hab heute Morgen aufgehört…

Céline wirft Jacques einen finsteren Blick zu, er steckt seine Zigaretten wieder ein.

Jacques: Na, dann werde ich Sie natürlich nicht vollqualmen… Obwohl… über die Zigaretten wird immer gelästert – und was ist mit den Handys? Die sind doch genauso gesundheits­schädlich, oder? Ich hab gerade heute früh einen Artikel darüber gelesen, im Parisien. Es ist scheinbar so, dass man bei mehr als einer Viertelstunde Handy am Tag unweigerlich Hirntumor bekommt…

Marie ist betroffen. Sie greift nach dem „Pari­sien“, der unter dem Wohnzimmertisch liegt und wirft einen Blick auf die Schlagzeile: „Krebs durchs Handy?“

Jacques: Da sollte man die Flatrate besser nicht überziehen!

Marie sieht empört zu Pierre, der den Unschuldigen spielt.

Jacques: Ich rauche zwar, aber dafür habe ich kein Handy!

Marie (ironisch): Mein Mann auch nicht. Ihm ist es lieber, dass ich mir einen Tumor einfange.

Jacques: Wissen Sie, was das Lästigste an unserem Beruf ist?

Pierre und Marie machen ein Gesicht, als würden sie sich das fragen.

Jacques: Dass man sich die ganze Zeit die Hän­de waschen muss, zwischen zwei Patienten. Schauen Sie sich meine Hände an – die sind ganz trocken! Ich könnte mir ja Handschuhe anziehen, werden Sie sagen, aber… Stellen Sie sich das nur mal vor… Zahn­be­handlungen sind Präzisionsarbeit, wissen Sie. Haben Sie schon mal versucht, mit Boxhandschuhen eine Nadel einzufädeln?

Pierre: Noch nie… Außerdem komme ich nur selten zum Nähen, eher zum Stricken…

Jacques: Schauen Sie, ich sag immer, wir haben es besser als die Psychoanalytiker. Anfangs ist noch alles gleich – der Patient kommt, legt sich hin, macht den Mund auf… aber dann hört nur noch er mir zu!

Céline: Du langweilst sie mit deinen Geschichten…

Marie: Aber nein, überhaupt nicht…!

Céline: Erzählen Sie uns doch lieber etwas über sich… (zu Marie) Sie sind Lehre­rin, stimmt’s?

Marie: Ja, für Solfège, also Musiktheorie. Aber ob das so viel prickelnder ist – da bin ich mir nicht sicher…

Pierre wirft ihr einen Blick zu, um sie auf ihre neuerliche Entgleisung aufmerksam zu machen.

Céline: Ah, Solfège-Lehrerin… Ich habe 10 Jahre Solfège-Unterricht gehabt, als ich jung war…

Marie (zeigt sich ein wenig interessiert): Haben Sie auch ein Instrument gespielt?

Céline: Keines… Meine Eltern haben geglaubt, dass es schon bildet, wenn man Musiktheorie lernt, so ähnlich wie eine tote Sprache, wie Griechisch oder Latein. Mit 18 habe ich aber dann gesagt: Jetzt ist Schluss damit.

Pierre (tut, als sei er beeindruckt): Da waren Sie ja schon als Teenagerin eine kleine Rebel­lin…

Céline: Danach hab ich einen Kurs für Gesellschaftstänze ge­macht.

Marie: Das hat bestimmt ihr Leben umgekrempelt

Jacques (süßlich): Da haben wir uns kennengelernt, Céline und ich…

Marie (tut interessiert): Ach, wirklich?

Jacques: Ja, Tatsache… Ich war ein recht guter Tänzer, damals, wissen Sie… Eigentlich bin ich’s noch immer… Es ist wohl so, dass 40% der Männer ihre Frau beim Tanzen kennen­gelernt haben. (Zu Pierre) Haben Sie Ihre reizende Gattin auch auf diese Weise für sich eingenommen…?

Pierre: Ach nee. Nein, bei uns hat’s damit angefan­gen, dass ich sie in eine Einfahrt gezerrt ha­be, bei einem Gewitter, nachdem ich ihr angebo­ten habe, unter meinen Regenschirm zu kommen… Ist wohl eher selten, dass sich Ehepaare auf diese Weise kennen­lernen…

Peinliches Schweigen.

Marie: Das ist natürlich nur fantasiert von mei­nem Mann…

Pierre: Sie mag’s gar nicht, wenn ich das erzäh­le.

Marie: Möchten Sie noch was von dem Aperitif?

Céline: Ach… vielleicht noch einen Spritzer…

Pierre: Vor oder… nach dem Aperitif?

Marie wirft Pierre einen drohenden Blick zu und schenkt dann allen nach.

Céline: Wir haben Benjamin, unseren Jüngsten, im Kindergarten nebenan ange­meldet… Haben Sie von dem Gutes gehört?

Marie: Keine Ahnung, wir haben ja keine Kinder.

Céline: Ach, stimmt. Entschuldigen Sie…

Pierre: Na – ist ja nicht Ihr Fehler. Oder?

Schweigen.

Céline: Und Sie, Pierre? Was machen Sie so, beruflich…?

Pierre: Ich? Ach, nichts…

Die Nachbarn schauen begreiflicherweise etwas verdutzt.

Céline: (verständnisvoll): Auf Arbeitssuche…?

Pierre: Nee, ich suche nichts… Ich würde eher sagen: beschäftigungsloser Gehalts­empfänger. Ist gar nicht leicht, so weit zu kommen, wis­sen Sie? So tun, als ob man arbeitet, obwohl man gar nichts zu tun hat… Dazu muss man schon ein sehr guter Schauspieler sein.

Céline (verlegen): Hm, wenn das so ist: was machen Sie, wenn Sie nicht arbei­ten…? Ich meine… außerhalb Ihrer Bürozeiten…

Pierre: Naja… Ich bin Schauspieler, das ist es ja gerade! Gelegenheits­schau­spieler.

Céline (verwirrt): Schauspieler? Ach ja, Ihr Gesicht kam mir gleich bekannt vor… In was haben Sie gleich wieder gespielt?

Pierre: Schauen Sie manchmal „Feuer der Liebe“ im Fernsehen an?

Jacques (erstaunt): Ja, ich schon, gelegentlich – wenn ich mein Nickerchen mache.

Pierre: Dann haben Sie sicher die Werbung davor gesehen, für diese Sterbegeld­versicherung?

Jacques sieht nicht so aus, als wüsste er, worum es geht.

Pierre: Doch, bestimmt. Zwischen der Werbung für Hörgeräte und der für Treppen­lifte.

Jacques: Ähm… Ja, kann sein…

Pierre: Genau. Und der Typ, der im Sarg, das bin ich…

Jacques (erstaunt): Ehrlich…?

Pierre: Eine Rolle ohne große Worte, sozusagen…

Marie sieht missbilligend zu Pierre, der sich über die Wirkung des Gesagten freut.

Céline (verlegen): Und sonst, haben Sie noch andere Projekte…?

Es klingelt an der Wohnungstüre.

Jacques: Ach, Sie erwarten noch andere Gäste?

Marie: Nein, nein… Wir erwarten niemand mehr.

Pierre geht die Wohnungstür aufmachen.

Pierre (im Off): Ach, jetzt schon… Na gut. Warten Sie einen Moment, ich komm gleich wieder…

Pierre kommt mit einem Stapel Kalender zurück.

Pierre (verlegen): Es ist der Briefträger, mit den Weihnachtsgeschenken von der Post…

Jacques: Na, der ist ja früh dran, dieses Jahr… Sind Sie sicher, dass der Briefträger echt ist?

Pierre: Also, er hat eine blau-gelbe Jacke an und sieht ganz dem Typen ähnlich, der jeden Tag die Post bringt…

Jacques: Aha…

Pierre: Sie hätten nicht vielleicht zehn Euro, ich hab gerade kein Kleingeld… Ich geb’s Ihnen dann später zurück…

Jacques sucht etwas widerwillig in seinen Taschen.

Jacques: Ach, zu dumm, ich hab den letzten 5-Euro-Schein für den Crémant ausgegeben. Aber ich hab noch 2 Euro, wenn Sie möchten…

Pierre: Ok, dann… gebe ich ihm einfach Ihren Crémant mit … Wenn’s Ihnen nichts ausmacht.

Jacques: Nein… Stört mich nicht…

Pierre reicht Jacques den Stapel Wandkalender.

Pierre: Suchen Sie sich schon mal einen aus…

Pierre geht den Crémant aus dem Tiefkühlfach holen. Währenddessen setzt Jacques eine altmodische Brille auf und sieht die Kalender mit überzogen ernsthafter Miene durch.

Jacques: Schau mal, Céline, ich nehme den hier mit den drei Kätz­chen… Die sind doch niedlich, findest du nicht?

Céline antwortet nicht. Pierre kommt mit der Flasche Crémant zurück.

Pierre: Sie können den Kalender gerne behalten…. Dafür bekommt der Briefträger Ihren Crémant…

Jacques: Danke.

Pierre geht mit den übrigen Kalendern und der Flasche Crémant ab.

Pierre (im Off): Hier, bitte schön, er ist gut gekühlt… Und dann schon mal: Frohe Weihnachten!

Pierre kommt wieder.

Céline: Frohe Weihnachten… Mitten im Oktober… Die sind ganz schön dreist, so früh im Jahr…

Pierre: Das muss die Klimaerwärmung sein… Es gibt keine Jahreszeiten mehr. Die Postboten sind auch schon ganz durcheinander…

Marie: Ich sehe mal nach meinem Schweinebraten mit den Pflaumen. Mir kommt es so vor, als ob es nach Gas riecht…

Jacques (steht auf): Dann geh ich mal rüber zu uns und sehe nach, was die Kinder anstellen. Bevor wir zu Tisch gehen…

Marie: Dauert noch einen Augenblick!

Jacques: Bemühen Sie sich nicht, ich kenne den Weg.

Céline (steht auch auf): Wo kann ich mir denn die Hände waschen? … Die Erdnüsse… Sind doch immer ein wenig fettig…

Marie: Ja, natürlich. Am Ende vom Flur, immer gera­deaus.

Jacques und Céline gehen ab.

Marie: Was ist denn in dich gefahren, denen zu erzählen, dass du in der Werbung für das Bestattungsinstitut den Toten spielst? (Macht ihn mit Ironie in der Stimme nach) „Eine Rolle ohne große Worte“…

Pierre: Ach, komm schon, das war doch nur, um ein bisschen Stimmung in den Laden zu bringen – es ist so was von totlangweilig mit den beiden, oder? Und wir sind erst beim Aperitif… Nur als Vorwarnung: das halte ich nicht bis zum Nachtisch aus… Wir müs­sen uns was einfallen lassen, damit sie Leine ziehen…

Marie: Du hast schon recht, besonders heißblü­tig sind sie nicht, aber… es ist ein bisschen zu spät, um sie noch auszuladen. Eins steht fest: Nochmal einladen werden wir sie nicht.

Pierre: Warte nur ab, nächstes Mal werden die uns einladen, du wirst schon sehen! … Da hast du uns einen schönen Schlamassel eingebrockt, da kommen wir nicht mehr so einfach raus – das ist dir hoffentlich klar?

Marie ist sich im Klaren, versucht aber es herunterzuspielen.

Marie: Ach, jetzt übertreibst du … Gut, ich werd versuchen, ein bisschen schneller aufzutischen… Hier, mach schon mal den Wein auf…

Pierre: Na, wenigstens bin ich seine Flasche Schampus losgeworden. Von so was krieg ich nur Blähungen…

Marie geht Richtung Küche. Pierre greift sich die Weinflasche. Céline kommt zurück.

Céline: Das ist wirklich nett von Ihnen, diese Kennlern-Einladung. Ich hab in dieser Gegend gewohnt, vor langer Zeit, als ich zur Schule gegangen bin, aber ich kenne hier niemanden mehr… Außerdem kann man sich unter Nachbarn mal mit kleinen Gefälligkeiten aushelfen…

Pierre: Ja, das sagt meine Frau auch… (Ihm kommt eine Idee) Übrigens, ich freue mich, dass Sie das sagen… Weil… Es ist nämlich so, dass ich Sie etwas fragen wollte.

Pierre hält ihr die Flasche hin.

Pierre: Wären Sie so gut, die Flasche aufzumachen, ich weiß nicht, ob ich noch die Kraft dazu habe…

Céline stutzt, aber macht sich dann unbeholfen an der Flasche zu schaffen. Sie bemüht sich mit aller Kraft, den Korken herauszuziehen.

Pierre: Ich wollte uns nicht den Abend verderben, aber… Ich habe Krebs…

Bei diesen Worten gelingt es Céline plötzlich, den Korken mit einem einzigen Ruck herauszuziehen. Pierre nimmt ihr die Flasche ab und schenkt ein, während er weiter redet.

Pierre: Mir ist gerade eröffnet worden, dass ich einen Tumor habe… Ich muss meine Flatrate überzogen haben…

Céline: Ihre Flatrate…?

Pierre: Das Handy, Sie wissen schon… Die… Die Strahlung. Muss ein veraltetes Modell gewesen sein…

Céline (mitfühlend): Hirntumor…

Pierre: Schlimmer…

Céline sieht ihn an und überlegt, was wohl noch schlimmer sein könnte.

Pierre: Hodenkrebs…

Céline (entsetzt): Nein…!

Pierre: Die Freisprechanlage, Sie wissen schon, schützt den Kopf, aber in Wahrheit wird das Problem nur verlagert…

Céline: Das tut mir entsetzlich leid für Sie…

Pierre (hebt sein Glas, um ihr zuzuprosten): Also dann, auf Ihr Wohl… Den lassen wir uns nicht entgehen…

Sie stoßen an, in Katastrophenstimmung.

Céline: Aber… jetzt gibt es doch schon Behandlungsmöglichkeiten…

Pierre: Ja… Mein Chirurg zieht eine Transplantation in Betracht… (Pause) Und das ist auch der Grund, warum ich meine Frau gebeten habe, Sie einzuladen… Sie und Ihren Mann…

Céline ist zutiefst betroffen.

Pierre: Noch etwas Wein?

Céline kann eine Aufmunterung gut gebrau­chen und lehnt nicht ab. Er schenkt ihr großzügig nach, sie leert das Glas in einem Zug.

Céline: Ah, gut, der Wein, nicht?

Pierre: Nehmen Sie sich doch von den Erdnüssen…

Sie bedient sich.

Pierre: Ja, also… Ich bräuchte einen Spender…

Céline: Einen Spender…?

Pierre rückt zu ihr und fasst sie an den Schultern.

Pierre: Wissen Sie, es lässt sich auch ganz gut mit nur einem Hoden leben… Die Operation ist harmlos und eine Woche später denken Sie gar nicht mehr dran. Nicht mal die Narbe ist zu sehen…

Céline (perplex): Das heißt, dass… Das müsste ich mit meinem Mann bereden… Ich weiß nicht, ob…

Marie kommt zurück und sieht die beiden in dieser zweideutigen Position.

Céline (verlegen): Ich sehe mal nach, ob Jacques mit den Kindern zurechtkommt… Sie wissen ja, wie die Männer so sind…

Sie geht hastig raus.

Marie: Na… Das sieht ja ganz so aus, als ob ihr euch inzwischen bestens versteht…

Pierre: Hör bloß auf. Das ist ein einziger Alb­traum. Wir müssen die beiden irgendwie loswerden…

Marie: Wie soll das deiner Meinung nach gehen? Wir können sie nicht gut rauswerfen – schließlich haben wir sie ja eingeladen!

Pierre: Wir ist gut…

Marie: Jaja, ich weiß, das war dumm von mir… Aber jetzt… jetzt ist die Sache gegessen… Ach, ich hab das Brot vergessen…

Bevor sie in die Küche geht, wirft Marie noch kurz einen Blick in „Elle“.

Marie (enttäuscht): So gut wie auf der Abbildung in Elle sieht der Braten nicht aus…

Pierre: Es sehen ja auch nicht alle Frauen auf der Straße so aus wie die Models in diesen Zeitschriften… Warum sollte das bei deinem Schweinebraten mit seinen Pflaumen anders sein…

Marie zuckt mit den Schultern und geht raus, leicht verstimmt. Sie dreht sich aber noch einmal zu Pierre um, bevor sie in der Küche verschwindet.

Marie: Versuch trotzdem ein bisschen nett zu ihnen zu sein…

Pierre: Damit die hier Wurzeln schlagen?

Marie: Die werden wir vielleicht noch zwanzig Jahre als Nachbarn haben. Besser, wir verkra­chen uns nicht schon gleich nach ihrem Einzug mit ihnen…

Pierre (verzweifelt): Mit Nachbarn kommt man am besten aus, wenn man sie erst gar nicht anspricht.

Marie will weiter in die Küche, aber dreht sich noch ein letztes Mal um.

Marie: Sag mal, du hast nicht zufällig die Katze gese­hen?

Pierre (etwas verlegen): Heute noch gar nicht…

Marie: Deine Zimmerpflanze war hoffentlich nicht giftig.

Marie geht raus. Jacques kommt zurück.

Jacques : Céline bringt noch den Kleinen ins Bett und kommt dann gleich wieder. Die anderen beiden schauen noch fern…

Pierre: Strip Poker…?

Jacques: „Die Abenteuer des Rabbi Jakob“… Mein Lieblingsfilm… Mmmm… Das riecht ja köstlich!

Jacques fasst Pierre an den Schultern.

Jacques : Ich bin sicher, wir werden uns gut verstehen… Solche Einladungen unter Nachbarn haben ja den Vorteil, dass man nicht weit zu fahren hat… Wir haben alle Zeit der Welt… und müssen garantiert nicht ins Röhrchen blasen!

Pierre (dem gerade etwas Neues einfällt): Sagen Sie, Jacques… Ich darf doch Jacques zu Ihnen sagen?

Jacques: Selbstverständlich, Pierre. Unter Nachbarn…

Pierre: Sie sind mir sehr sympathisch. Ich wollte Ihnen etwas vorschlagen. Genauer gesagt, ich und meine Frau…

Jacques (ahnungslos): Um was geht es denn?

Pierre: Sie haben doch bestimmt schon vom… vom Partnertausch gehört?

Jacques (wie vom Blitz getroffen): Nur vage…

Pierre: Also… meine Frau und ich… Also, wenn Sie wollen… Aber Sie brauchen sich nicht verpflichtet zu fühlen. Im Allgemeinen kommt es dazu zwischen Dessert und Kaffee… Aber wenn Sie nicht daran interessiert sind, können Sie einfach vor der Käseplatte aufstehen und gehen. Ich und meine Frau verstehen das dann schon…

Jacques ist fassungslos und hat auch nicht mehr Zeit zu antworten. Céline kommt zurück.

Céline: So! Jetzt können wir ganz in Ruhe den Abend verbringen, nur wir vier…

Céline bemerkt den etwas gequälten Gesichtsausdruck von Jacques.

Céline: Stimmt was nicht?

Jacques (verlegen): Doch, doch… Wir haben über… über freien Gütertausch gespro­chen. Über Globalisierung, über Standortverlagerungen und so was… Meine Frau ist übrigens auch eine große Verfechterin von freiem Partnertausch…

Céline (korrigiert, peinlich berührt): Von freiem Gütertausch…

Betretenes Schweigen. Marie kommt mit dem gefüllten Schweinebraten aus der Küche.

Marie: Jetzt aber… Wenn Sie nichts gegen Schweinefleisch haben, können wir uns zu Tisch setzen…

Sie setzen sich an den Tisch. Etwas beklemmende Stille.

Marie: Möchten Sie neben meinem Mann sitzen?

Céline fügt sich, unter dem besorgten Blick von Jacques. Marie serviert reihum.

Céline: Das sieht ja wirklich sehr lecker aus…

Marie will Pierre bedienen.

Pierre: Nein, danke…

Marie: Hast du keinen Hunger?

Pierre: Nicht besonders… Und dann, Fleisch hat mich schon immer ein wenig ange­ekelt. Sie nicht?

Jacques und Céline sehen ihn verblüfft an.

Pierre: Sie wissen ja, kein Tier kommt dem Men­­­schen so nahe wie das Schwein, es unterscheidet sich vom Menschen nur in ein paar Genen. (Sieht zu Jacques) Wenn auch nicht in allen…

Den Gästen hat diese Einführung ein wenig den Appetit verdorben. Marie versucht, das Thema zu wechseln.

Marie: Und Sie, Céline? Sie haben uns noch gar nicht gesagt, was Sie beruflich machen…

Céline: Ich zögere immer ein wenig, darüber zu reden… Es ist nicht besonders gut angese­hen, in der heutigen Zeit…

Pierre: Sind Sie Stripperin… oder… Kfz-Mechanikerin?

Céline: Schlimmer… Ich bin… (pathetisch) … Cost Killer.

Pierre und Marie verstehen nicht.

Jacques: Kosten-Nutzen-Optimiererin auf gut Deutsch… In gewissem Sinn eine Kopfjägerin…

Marie: Und was machen Sie genau?

Céline: Also… Ich werde hinzugezogen, wenn ein Unternehmen in Schwierigkeiten steckt und es darum geht, abgestorbene Zweige eines Betriebs zu kappen, damit neue Triebe ungestört nachwachsen können…

Jacques: Diese Kostenjäger sind eigentlich das Gegen­teil von Head-Huntern… Ich sag immer: meine Frau, die lässt Köpfe rollen, damit der Rubel wieder rollt…

Marie (fasst sich an den Hals, beeindruckt): Das hört sich interessant an…

Jacques: Meine Frau ist eine Art Robes­pierre in Sachen Revolution durch Liberalismus… Eine glühende Verfechterin von freiem Partnertausch…

Céline (korrigiert): Von freiem Gütertausch…

Jacques: Ähm… Ja, natürlich…

Marie: Und welche Köpfe möchten Sie als nächstes zum Rollen bringen…?

Céline: Bis jetzt waren es immer Unternehmen der Privatwirtschaft, die an mich herangetreten sind. Aber in letzter Zeit kommt der Öffentliche Dienst vermehrt auf mich zu, ich habe gerade einen neuen Auftrag anvertraut bekommen…

Marie (in leicht scherzhaftem Ton, aber innerlich besorgt): Sie werden sich doch nicht an das Bil­dungswesen heranmachen… Da könnte ich mir nämlich vorstellen, dass man als Erstes die Lehrer für Musiktheorie guillotiniert…

Céline: Lachen Sie nicht, die kommen schon noch dran. Aber im Moment habe ich den Auftrag, einen anderen Dinosaurier zu zerlegen…

Marie: Doch nicht die Parti Socialiste?

Céline (mit zufriedenem Lächeln): Nein, die Bibliothèque Nationale…!

Pierre verschluckt sich.

Pierre: Die Bibliothèque Nationale…!

Céline: Das bleibt natürlich unter uns… Ich fan­ge morgen früh an, noch ist niemand eingeweiht. Ich werde unter den Angestellten die Produktivsten selektieren; und nur die behalten ihren Arbeitsplatz… Die anderen, die werden durch Computer ersetzt…

Jacques: Meine Frau ist eine Killerin. In ihrer Branche wird sie nur noch Osama genannt. Wenn sie mit der Bibliothèque Nationale fertig ist, dann stehen von der mindestens zwei Türme weniger, das garantiere ich Ihnen…

Marie hat es die Sprache verschlagen und Pierre steht kurz vor einem Schlaganfall. Ihre Gäste merken jedoch nichts davon.

Céline: Aber ich will sie nicht langweilen… Ihr Schweinebraten mit Pflaumen ist wirklich ausgezeichnet. Können Sie mir das Rezept geben?

Jacques steht auf.

Jacques: Sie entschuldigen mich bitte für einen Augenblick, vor dem nächsten Gang… Die Pflaumen zeigen Wirkung…

Céline: Dann nutze ich die Gelegenheit und schau noch mal nach den Kindern, ob sie nicht Schund auf Canal Plus oder Sky ansehen. Wir sind zwar nicht abonniert, aber wer weiß, ob die nicht doch irgendwie da rankommen…

Jacques und Céline gehen nach verschiede­nen Seiten ab.

Pierre (in Untergangsstimmung): Jetzt bin ich dran. Ich seh mich auf dem ersten Karren zum Schafott…

Marie: Hättest du bloß nicht damit angegeben, dass du fürs Nichtstun bezahlt wirst… (sie macht ihn nach) „Dazu muss man schon ein sehr guter Schauspieler sein.“

Pierre (außer sich): Immer langsam – wie hätte ich denn erraten sollen, dass sie Kopfjägerin ist? Auf den ersten Blick sah sie nicht besonders angriffslustig aus… Und außerdem hast du sie eingeladen! Wenn du mir gesagt hättest, dass Frau Pol Pot heute zum Abendessen kommt, hätte ich mich zurückgehalten…

Marie: Ich weiß auch nicht, wie wir das wieder gerade biegen können…

Pierre: Noch dazu, wo ich ihm zum Dessert einen flotten Vierer vorgeschlagen habe…

Marie: Wie bitte?

Pierre: Das war doch nur, um sie schneller loszuwerden…

Marie (beleidigt): Nett von dir, dass du dabei auch an mich gedacht hast… Jetzt wird sie dich nicht nur für einen Schmarotzer halten, sondern auch noch für notgeil.… Und was, wenn die beiden zugestimmt hätten…

Pierre: Ich hab nur mit ihrem Mann darüber gesprochen… Nebenbei bemerkt: er hat noch nicht abgelehnt… Das Problem ist, dass wir sie jetzt mit allen Mitteln hier behalten müssen, damit sie eine bessere Meinung von uns bekommen…

Marie steht kurz vor einem Nervenzusammenbruch und zündet sich eine Zigarette an.

Marie Ich glaube, das war nicht der richtige Tag, um aufzuhören. (Marie zieht ein paar Mal gierig an der Zigarette). Ah, das tut gut…

Pierre sieht sie entgeistert an, reißt sich aber wieder zusammen.

Pierre: Also gut, hör zu, wir sind an einem Punkt, wo ich nur noch eine Lösung sehe…

Marie: Das Gas aufdrehen, wie die Ex–Nachbarn…

Pierre: Sie weiß noch nicht, dass ich an der Bibliothèque Nationale arbeite… Wir müssen den Rest des Abends ausnutzen und sie irgendwie kompromittieren…

Marie: Und wie willst du das anstellen? Du wirst doch hoffentlich nicht von mir verlan­gen, dass ich diesen Schweinkram mitmache, den du ihrem Mann vorgeschlagen hast? Nur damit wir sie erpressen können und du deinen Job behältst?

Pierre: Nee, natürlich nicht, wenn sich’s vermeiden lässt… Als Erstes könnten wir sie dazu bringen, dass sie sich betrinkt… Die muss doch irgendwas haben, das sie verdrängt, bei ihrem ganzen vornehmen Getue…

Marie: Sie soll sich betrinken…? Glaubst du wirklich, dass wir sie dazu kriegen, dass sie auf den Tisch steigt und ein öffentliches Bekenntnis ablegt, wie bei einer Kulturrevolution…? Nee, wenn du die zum Reden bringen willst… kann ich mir nichts Anderes vorstellen, als sie mit dem Kopf in den Backofen zu stecken… (spinnt das weiter) Ich müsste sie irgendwie in die Küche locken, während du ihren Mann ausschaltest…

Pierre hört nicht auf sie. Er überlegt weiter…

Pierre: Ein öffentliches Geständnis… das bringt mich auf eine Idee…

Marie: Und zwar?

Pierre: Strip Poker!

Marie: Du willst ihnen jetzt tatsächlich einen Strip Poker vorschlagen?

Pierre: Einen Strip Poker, wie in dieser Reality-Show im Fernsehen! Wenn sie ordentlich über den Durst getrunken hat, schlagen wir ihr eine Partie Strip Poker vor.

Marie (besorgt): Was für eine Art von Strip Poker?

Pierre: Wer eine Runde verliert, muss zur Strafe auf eine indiskrete Frage antworten. So was wie ein Spiel um die Wahrheit! Die ist doch ne Zockerin… wenn die einen in der Krone hat, macht sie bestimmt mit.

Marie (besorgt): Es ist nur so, dass ich nicht besonders gut im Pokern bin…

Pierre: Hast du was zu verheimlichen?

Marie: Nein, nicht direkt, aber…

Pierre: Na also!

Jacques und Céline kommen zurück.

Jacques: Ah, jetzt geht’s mir besser!

Marie: Gut… also…, dann können wir uns ja jetzt ans Dessert machen…

Verlegenheit auf Seiten von Jacques.

Jacques: Es wird so langsam spät, nicht? Wir sollten uns vielleicht auf den Heimweg machen …

Céline: Ach komm, Jacques, wir werden uns doch jetzt nicht einfach davonstehlen…

Pierre will die Nachbarn nicht mehr gehen lassen, um die Katastrophe abzu­wenden. Im Weiteren ist er in seinem Verhalten komplett umgewandelt.

Pierre (liebenswürdig): Kommt nicht in Frage! Nach dem Dessert spielen wir noch eine Runde… Mögen Sie Gesellschaftsspiele?

Céline: Da haben Sie meine Schwachstelle gefunden! Ich bin sehr verspielt… Stimmt’s, Jacques?

Licht aus.

DRITTER AKT

Es geht zu wie in einer verräucherten Spielhalle. Die vier sitzen um den Pokertisch, Kippe im Mundwinkel, ziemlich „aufgeknöpft“, über ihren Köpfen eine Lampe wie in den einschlägigen Filmen. Jacques und Céline sehen Marie beeindruckt zu, wie sie die Karten mit der Virtuosität eines Casino-Angestellten, eines „Dealers“, mischt.

Pierre: Kapiert? Am Ende jeder Runde darf der mit den meisten Chips demjenigen, der die wenigsten hat, eine Frage stellen…

Die Anderen nicken zustimmend.

Jacques (versucht zu witzeln): Solange es nicht meine Hosenknöpfe sind. Ansonsten habe ich nichts zu verbergen…

Pierre (in bedrohlichem Ton): Wir haben alle was zu verbergen… Man muss nur richtig nachbohren… Die richtigen Fragen stellen…

Die Stimmung ist zunehmend gespannt. Das Spiel beginnt. Die vier Spieler machen ihre Einsätze. Jacques hebt ab. Marie teilt die Karten aus (für jeden fünf). Pierre hält Céline eine Flasche hin.

Pierre: Noch ein kleiner Digestif gefällig…?

Céline (schon ziemlich angetrunken): Was soll’s! Eine kleine Ausschweifung von Zeit zu Zeit…

Jacques: Vernünftig ist das aber nicht… (Versucht es mit Humor) Sie wissen, dass man heute belangt werden kann, wenn man seine Gäste mit einem tüchtigen Zacken in der Krone abziehen lässt…

Pierre: Aber Sie haben ja selbst gesagt, dass Sie’s nicht weit nach Hause haben. Sie wohnen doch gleich gegenüber…

Jacques: Nebenan…

Pierre: Dann riskieren Sie ja nicht einmal, überfahren zu werden, wenn Sie über die Straße gehen… (zu Jacques, vieldeutig) Aber wenn es Ihnen lieber ist, können Sie natürlich auch hier bei uns schlafen…

Verlegener Gesichtsausdruck von Jacques.

Céline (leert ihr Glas auf einen Zug): Ah… Da schmeckt man schön die Birne heraus…!

Das Lächeln von Jacques friert ein. Marie ist fertig mit Geben. Jeder schaut in sein Blatt und versucht gleichzeitig, die Anderen auszuspähen..

Pierre: Zwei Karten…

Marie gibt ihm die Karten.

Céline: Drei…

Jacques: Eine…

Marie: Check…

Alle sehen erneut in ihre Karten und möglichst unbemerkt nach den Anderen. Dann machen sie nacheinander ihre Ansagen.

Pierre: Ich steige aus…

Jacques: Ich auch…

Céline: Nur noch wir zwei.

Marie: Ich will sehen…

Céline deckt ihre Karten mit kindlicher Begeisterung auf.

Céline: Vier Asse! Wer hat was Besseres?

Marie (geschlagen): Ein Buben-Dreier…

Céline sammelt ihren Pot ein. Alle sehen nach den ihnen verbliebenen Chips.

Céline: Jetzt darf ich also eine Frage stellen…

Unbehagen bei den Anderen, die ihre Chips zählen, besonders bei Marie, die am wenigsten hat.

Céline: Also… Frage an Marie!

Pierre und Jacques sind erleichtert.

Céline: Sie müssen uns die Wahrheit sagen…

Marie (unruhig): Nur zu, fragen Sie…

Céline: Haben Sie schon einmal jemandem etwas gestohlen? Oder einen Ladendiebstahl begangen?

Marie ist fast erleichtert.

Marie: Ja… ein Mal… Um ein Dach überm Kopf zu haben.

Jacques: Sie haben Geld gestohlen, um Ihre Miete zu bezahlen?

Marie: Neeein! Ein Camping-Zelt!

Céline: Ach, gar nicht Geld?

Jacques: Hm… Ich wäre nie auf die Idee gekommen, so etwas zu stehlen! Das bekommt doch jeder mit, wenn man ein Zelt mitnimmt?

Céline: Ein Zelt…? War das… aus Not? Wussten Sie nicht, wo Sie schlafen sollen?

Marie: Es war für einen Camping-Urlaub. Ich war in einem Einkaufszentrum und bin zur Kasse gegangen, um das Zelt zu bezah­len. Es war aber nicht die richtige Kas­se. Also bin ich zu einer anderen Kasse gegangen und merke plötzlich, dass ich schon durch die Sicherheits­schranke bin. Und wo ich schon mal draußen war…

Pierre: Das war kein richtiger Diebstahl… Du wolltest es ja gar nicht klauen…

Marie: Sagen wir so: ich hab auch nicht kehrt gemacht, um es zu bezahlen… Genau genommen hatte ich vor allem Angst, dass diese Sicherheitsschleuse anfängt zu piepen. Wär doch zu dumm gewesen, mich erwischen zu lassen, wie ich versuche, ein Zelt wieder in den Laden rein zu schmuggeln, wo ich es eben erst unabsichtlich geklaut habe… Wie hätte ich das den Wachleuten erklären sollen! Die sind ja auch nicht gerade mit viel Vorstellungskraft gesegnet…

Die anderen sehen so aus, als ob sie sich das gerade vorstellen.

Céline: War das wirklich das einzige Mal?

Marie: Ja…

Céline: Dann sind sie ja eher ehrlich…

Marie: Wissen Sie, die meisten Leute sind nur ehrlich, weil sie nicht den Mut haben, unehrlich zu sein… Mir kam das Risiko immer unverhältnismäßig groß vor, verglichen mit der Befriedigung, die es mir vielleicht verschafft hätte…

Jacques (vom Alkohol enthemmt): …Ihren Mann zu betrügen…?

Marie: Das steht auf einem anderen Blatt…

Jacques: Na dann…

Beginn einer neuen Runde. Gleiches Karussell. Sie machen ihre Einsätze. Diesmal ist Pierre der Dealer und gibt.

Céline: Eine Karte.

Jacques: Weiter…

Marie: Weiter…

Pierre: Zwei Karten…

Sie machen wieder ihre Einsätze.

Céline: Ich gehe mit…

Jacques: Ich erhöhe um einen…

Marie: Ich passe…

Pierre: Ich will sehen…

Sie decken ihre Karten auf.

Pierre (siegessicher): Fullhouse!

Jacques: Flush!

Das Lächeln von Pierre erstarrt. Marie wirft ihm einen ironischen Blick zu.

Marie: Das fängt ja gut an…

Jacques nimmt sich den Pot.

Jacques: Jetzt bin ich mit der Frage dran.

Jetzt sind die drei anderen in der Defensive und zählen ihre Chips.

Jacques: Pierre… (Pierre knickt ein) Haben Sie schon einmal Lust gehabt, jemanden umzubringen?

Pierre: Vor heute Abend, meinen Sie?

Jacques: Und das auch schon ein Stück weit umgesetzt… Sonst zählt das nicht… Wenn man alle Ehemänner, die ihre Frau mindestens einmal in der Woche umbringen wollen, einsperren würde… Die Gefängnisse sind sowieso schon überfüllt…

Céline wirft ihm einen Blick zu, der töten könnte. Pierre versucht, sich zu erin­nern.

Pierre: Nicht, dass ich wüsste… (lacht) Ach doch… Obwohl – nicht wirklich vorsätzlich… Das war noch in meiner Schulzeit. Da war so ne Dicke mit Brille, die wir immer aufgezogen haben. Einmal, im Schwimmbad, haben wir ihre Brille in das tiefe Schwimmerbecken geschmissen. Sie konnte nicht schwimmen. Das hat sie aber in der Aufregung vergessen, ist reingesprungen und wollte ihre Brille rausfischen. Wir haben wie Walfische gelacht. Als sie nach fünf Minuten noch nicht aufgetaucht war, haben wir dann doch den Bademeister gerufen… Haben wir uns totgelacht…! Ich kann mich nicht mehr an ihren Namen erinnern, die Arme…

Céline: Céline Robert…

Pierre (erstarrt): Ach ja, kann gut sein…

Céline: Die Dicke mit der Brille – das war ich…

Pierre: Neee…!?

Céline: Ich hab doch gewusst: Ihr Gesicht kommt mir bekannt vor…

Jacques mischt sich ein, um die Stimmung etwas zu entspannen.

Jacques: Also… Auf ein Neues.

Nächste Runde. Nicht mehr so schwungvoll. Und in ungemütlichem Schweigen. Céline gibt.

Jacques: Ich bin raus.

Marie: Weiter…

Pierre: Ich bin auch raus.

Céline: Ich erhöhe um zehn…

Marie: Ich gehe mit und erhöhe um 20…

Céline (zieht nach): Ich will sehen.

Céline und Marie decken auf. Marie lächelt zufrieden. Céline lässt den Kopf hängen.

Marie: Ah, diesmal bin ich mit fragen dran… Frage an Céline…

Céline wird nervös.

Marie: Haben Sie schon einmal einen schwerwiegenden beruflichen Fehler begangen, den Sie vor niemandem zugegeben hätten?

Céline fühlt sich gar nicht wohl in ihrer Haut. Sie geht nach vorne an den Rand der Bühne, so als wolle sie ein Geständnis ablegen. Aber statt etwas zu sagen, zieht sie ihr Oberteil aus.

Licht aus.

Das Licht geht wieder an. Céline ist immer noch im Rampenlicht, vorne an der Bühne. Sie hat offensichtlich noch eine Runde verloren.

Marie: Ich wiederhole meine Frage… Haben Sie schon einmal einen schwer- wiegenden beruflichen Fehler begangen…?

Céline will schon ihren Rock ausziehen… hält aber dann inne und antwortet mit fast unhörbarer Stimme.

Céline (sehr leise): Ja…

Marie: Wie bitte?

Céline: Ja!

Marie: Was war das für ein Fehler?

Céline: Also gut… Aber nur, wenn es diese vier Wände nicht verlässt…? Verspro­chen?

Pierre und Marie nicken heuchlerisch.

Pierre: Stellen Sie sich einfach vor, dass Sie in einer Kirche sind und wir Ihnen die Beichte abnehmen…

Die verräucherte Spielhöllen-Atmosphäre passt kaum zu diesem Bild.

Jacques (belustigt): In einer Kirche…?

Marie: Oder einer Synagoge, wenn Ihnen das lieber ist.

Céline: Gibt’s in Synagogen Beichtstühle?

Pierre (ungeduldig): Was weiß denn ich… Stellen Sie sich einfach vor, Sie machen in einer Fernseh-Show mit, Stil Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit

Céline: Also gut… Es war vor sechs Monaten, ungefähr… Bei einem meiner Firmen-Audits habe ich durchgesetzt, dass ein leitender Angestellter und seine Freun­din, die auch dort gearbeitet hat, entlassen wurden. Ich war fest davon überzeugt, dass die beiden sich aus der Firmenkas­se bedient hatten… Er, der Mann, ist damit nicht fertig geworden, er war 20 Jahre in dem Unternehmen. Er hat Selbst­mord begangen… Zusammen mit seiner Frau…

Pierre und Marie sehen sich voller Genugtuung an. Jetzt haben sie etwas gegen Céline in der Hand.

Céline: Sie haben das Gas aufgedreht…

Pierre (entsetzt): Die Nachbarn von gegenüber…!

Céline: Wie bitte?

Pierre: Ach, nichts…

Céline: Kurz nach ihrer Beisetzung wurde mir klar, dass sie unschuldig waren… Ich hatte da etwas falsch zusammengerechnet. Das habe ich aber niemandem gesagt… Ich habe auch nichts unternommen, um den guten Ruf dieser armen Leute wieder herzustellen… Ich habe mich zu sehr geschämt… (unter Tränen) Normalerweise verrechne ich mich nie.

Jacques tröstet sie.

Jacques (zu Pierre und Marie gewandt) Es geht ihr noch immer nahe, wenn wir darüber sprechen… (versucht weiter, seine Frau zu trösten) Möchtest Du, dass wir nach Hause gehen, Engelchen?

Pierre und Marie werfen sich einen Blick zu, der sagen will, dass sie auch genug haben, denn sie haben ja bekommen, was sie wollten.

Marie: Ja, das reicht, vielleicht…

Céline (fasst sich wieder): Nein, nein ich möchte Ihnen nicht den Abend verder­ben… Es geht schon wieder… (ist auf eine Revanche aus) Und außerdem kann man eine Poker-Partie nicht einfach so abbrechen… (in beunruhigendem Tonfall) Es ist ja noch nicht jeder dran gewesen…

Céline leert ihr Glas in einem Zug, um ihre Schuldgefühle zu vergessen.

Pierre: Na gut…

Jacques gibt. Sie setzen ihr Spiel schweigend fort. Die Stimmung ist beklem­mend.

Marie: Eine Karte…

Pierre: Weiter…

Céline: Ich gehe mit…

Jacques: Ich will sehen…

Sie decken ihre Karten auf.

Céline: Ich habe ein Paar…

Jacques: Drilling…

Marie: Vier Damen…

Pierre (triumphiert): Vier Könige!

Unbehagen bei den Anderen.

Pierre: Jacques…

Jacques erstarrt.

Pierre: Wissen Sie, was der Katze passiert ist, die ich heute Morgen unten in der Mülltonne gefunden habe…

Bestürzung auf Seiten von Marie. Verlegenheit bei Jacques und Céline.

Pierre: Sie müssen uns die Wahrheit sagen…

Auch Jacques geht nach vorne an den Rand der Bühne, als wolle er ein Geständnis ablegen. Aber statt etwas zu sagen, zieht er seine Hose aus und steht in Unterhosen da.

Licht aus.

Das Licht geht wieder an. Jacques ist immer noch im Rampenlicht, vorne am Bühnenrand. Auch er hat offensichtlich noch eine Runde verloren.

Pierre: Also, was war mit der Katze?

Jacques ist drauf und dran, seine Unterhose auszuziehen, doch dann antwortet Céline für ihn.

Céline: Die hatte mir schon drei Pflanzen auf meinem Balkon aufgefressen… Da habe ich die vierte Pflanze gestern mit Arsen besprüht.

Marie bricht in Tränen aus.

Pierre: Du lieber Gott! Das Kätzchen ist tot…

Alle sind peinlich berührt.

Jacques (will die Atmosphäre auflockern): Na, wie wär’s – noch ne letzte kleine Runde? Zur Wiedergutmachung…

Céline: Gut, aber danach geht’s ins Bett.

Die Anderen sitzen mit einem Gesichtsausdruck da, als ob sie nicht wissen, wie sie diese letzte Replik interpretieren sollen.

Neue Runde. Neue Einsätze. Marie gibt. Weitere Einsätze. Noch angespanntere Gesichter.

Pierre: Eine Karte.

Céline: Eine Karte.

Jacques: Weiter.

Marie: Eine Karte.

Jacques setzt seine ganzen Chips ein.

Jacques: All in…

Marie: Ich passe…

Pierre: Ich passe…

Céline: Ich auch…

Jacques sammelt den Pot ein. Er strahlt. Marie merkt mit Entsetzen, dass ihr die wenigsten Chips bleiben.

Jacques: Ich bin dran mit der Frage…

Marie (in Panik): Sie haben uns noch nicht gezeigt, welche Karten Sie auf der Hand haben…!

Jacques: Muss ich ja nicht! Wenn alle aussteigen…!

Er sieht die drei anderen der Reihe nach an, um die Spannung zu erhöhen.

Jacques: Marie hat die wenigsten Chips… Na, dann lass ich’s mal krachen…

Marie verkrampft sich.

Jacques (erbarmungslos): Sind Sie schon mal fremdgegangen?

Marie bleibt stumm. Pierre sieht zu ihr, unruhig.

Céline: Wir haben uns alle an die Spielregeln gehalten. Sie sind uns die Wahrheit schuldig…

Auch Marie geht an den Bühnenrand. Sie zieht ihr Oberteil aus.

Licht aus.

Licht an.

Jacques (erbarmungslos): Haben Sie Ihren Mann schon einmal betrogen?

Marie, immer mehr in Verlegenheit, zieht ihren Rock aus und steht jetzt in Unterwäsche da.

Licht aus.

Licht an.

Jacques (erbarmungslos): Haben Sie Ihren Mann schon einmal betrogen?

Marie ist kurz davor, ihre Unterwäsche auszuziehen, entschließt sich dann aber, lieber zu antworten.

Marie: Ein Mal… Ein einziges kleines Mal… Es war… ein Irrtum.

Pierre ist am Boden zerstört.

Céline (unerbittlich): Ein Irrtum? Wie damals bei dem Zelt?

Marie: Ja, so ungefähr…

Jacques (lässt nicht locker): Man schiebt aber keine Nummer mit einem anderen, wie man eine falsche Telefonnummer wählt…

Céline: Und wenn man sich schon verwählt hat, kann man auflegen, bevor man sich auf ein Gespräch einlässt…

Marie: Sagen wir einfach: ich hab nicht die Geistesgegenwart gehabt, rechtzeitig aufzulegen… Ich bin einfach zu gesprächig am Telefon…

Céline: Haben Sie Ihrem Mann schon mal davon erzählt?

Marie: Nein…

Céline: Warum nicht?

Marie: Ich war durch die Sicherheitsschranke, bevor die Alarmanlage losging… Und ich hab nicht den Mut gehabt, umzukehren und die Rechnung zu bezahlen…

Unbehagen. Pierre und Marie vermeiden den Blick des Anderen.

Jacques: Hmm. Na dann… Wir lassen Sie wohl besser alleine…

Pierre (zu Jacques): Haben Sie geblufft?

Jacques zeigt ihm selbstzufrieden seine Karten.

Jacques: Ich hatte nur so ein kleines Paar…

Erneut Stille. Céline und Jacques stehen auf und bereiten sich zum Aufbruch vor.

Jacques (zu Pierre): Ich habe auch eine letzte Frage an Sie…

Pierre: Das Spiel ist vorbei….

Jacques: Ich hab Ihnen doch auch mein Paar gezeigt…

Pierre: Na, dann fragen Sie…

Jacques: Sind Sie wirklich Schauspieler?

Pierre: Nein, aber ich schreibe Theaterstücke. Während meiner Arbeitszeit… (sieht zu Céline) in der Nationalbibliothek…

Céline: Ich verstehe… Kann ich mit Ihrer Verschwiegenheit rechnen…?

Pierre (unschuldig): Was die Nachbarn von gegenüber betrifft…? Wenn Sie in Ihren Bericht schreiben, dass ich der produktivste Mitarbeiter unseres Hauses bin und man mich auf keinen Fall durch einen Computer ersetzen kann.

Céline schluckt.

Céline: Darf ich mir ein Glas Wasser aus der Küche holen? Ich fühle mich gerade nicht besonders…

Marie: Nur zu…

Céline geht in die Küche.

Jacques: Nächstes Mal laden wir Sie zu uns ein…Dann spielen wir zur Abwechslung Scrabble…

Céline kommt zurück.

Jacques: Also dann, bis bald?

Pierre (zu Céline): Bis morgen…?

Die Nachbarn gehen ab. Pierre und Marie bleiben allein zurück. Sie wagen es kaum sich anzusehen und betrachten stattdessen die Unordnung ringsum. Das Handy von Marie klingelt.

Pierre: Gehst du nicht ran?

Marie: Ich weiß nicht, ob es für dich oder mich ist. Du hast meine Telefonnummer ja an alle deine Kumpels gegeben…

Pierre: Weil ich dir vertraue…

Marie ist verlegen.

Pierre (mit mehr Ernst in der Stimme): Wer war das… deine falsche Nummer?

Marie (verschämt): Jérôme…

Pierre: Schau an… Das hätte ich dem gar nicht zugetraut…

Marie umarmt Pierre reumütig.

Marie: Komm, lass uns noch eine Runde Strip Poker spielen…

Pierre: Ich setze alles auf Gewinn!

Suggestive Musik. Sie fängt einen Strip-Tease an. Er schaut zu, aufgeheizt, und setzt sich, um die Show zu genießen. Er holt eine dicke Zigarre heraus und will sie mit einem Streichholz anzünden, das er aus einer Schachtel herauszieht.

Für einen kurzen Augenblick sieht man Céline hereinspähen… mit einer Gasmaske vom letzten Krieg über dem Gesicht. Dann verschwindet sie wieder.

Marie hört plötzlich auf, gleichzeitig bricht die Musik ab…

Marie (besorgt): Findest du nicht, dass es nach Gas riecht?

Pierre winkt ab und macht das Zündholz an.

Licht aus.

Greller Blitz, gefolgt von einer Explosion.

Ende

Zum Autor

Jean-Pierre Martinez, geboren 1955 in Auvers-sur-Oise bei Paris, hat seine ersten Bühnenerfahrungen als Schlagzeuger verschiedener Rockgruppen gemacht. Nach Studium und eigener Lehre von Text- und Bildsemiotik an sozial- und theaterwissenschaftlichen Hochschulen (Ecole Pratique des Hautes Etudes en Sciences Sociales, EHESS; Conservatoire européen d’écriture audiovisuelle, CEEA) wurde er in der Werbebranche tätig, verfasste nebenher schon bald Drehbücher für das Fernsehen und kehrte schließlich als Theater-Autor und Dramaturg an die Bühne zurück.

Martinez zählt zu den produktivsten und meistgespielten der heutigen Theater- und TV-Drehbuchautoren Frankreichs und des französisch-sprachigen Auslands. Bis dato hat er an die 100 TV-Drehbücher und mehr als 80 Komödien verfasst, von denen einige zu Klassikern geworden sind (Vendredi 13 oder Strip Poker). In englischer und spanischer Übersetzung werden seine Theaterstücke regelmäßig auf Bühnen in Nord- und Lateinamerika gespielt.

Um seine Komödien interessierten Theatergruppen nahezubringen, hat Martinez sie zum freien Download auf einer eigenen Internet-Plattform eingestellt: La Comédiathèque, comediatheque.net. In Papierform können die Texte über die Webseite The Book Edition bestellt werden (zum Preis der entsprechenden Fotokopien).

Zum Übersetzer

Dr. phil. Hans-Joachim Bopst, Studium von Romanistik, Germanistik und Deutsch als Fremdsprache; nach über 10 Jahren Lehre an französischen Universitäten seit 1992 in der Übersetzerausbildung an der Universität Mainz / Germersheim tätig; Lehre, Forschung, Veröffentlichungen und Übersetzungen zu Tourismus, Sprachwissenschaft, Didaktik; zahlreiche Gastdozenturen, Vorträge und Workshops an in- und ausländischen Universitäten; seit 2016 Übersetzung der Komödien von Jean-Pierre Martinez.

Was ist eigentlich gemeint, wenn man vom „übersetzten Text“ spricht ? – Beide Texte: der Original-Text und der Text, in dem er sich spiegelt…

Grundlage für die deutsche Übersetzung der Stücke von Jean Pierre Martinez waren Übersetzungsübungen, die unter meiner Leitung am Fachbereich Translations-, Sprach und Kulturwissenschaft (FTSK) der Universität Mainz / Germersheim zwischen 2018 und 2020 stattfanden.

Mein Dank für Kreativität, Korrekturen und Tipps an alle beitragenden Studierenden und Kolleg*innen !

Hans-Joachim Bopst

In deutscher Übersetzung liegen folgende Theaterstücke von Jean-Pierre Martinez vor:

Die Touristen

Vier Sterne

Freitag, der 13.

Strip Poker

Alle Stücke von Jean-Pierre Martinez einschließlich der Übersetzungen können gratis von seiner Webseite heruntergeladen werden:
comediatheque.net

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist nach den Bestimmungen über geistiges Eigentum urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung des Werks – insbesondere die Bühnenaufführung – außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes und ohne Einwilligung von Autor und Übersetzer ist unzulässig und strafbar und kann zu hohen Schadensersatzansprüchen führen.

Text-Download: kostenlos

Paris / Heidelberg / Germersheim – März 2020

© La Comédi@thèque – ISBN 978-2-37705-402-2

Alle Stücke von Jean-Pierre Martinez einschließlich der Übersetzungen können als pdf-Datei gratis von seiner Webseite heruntergeladen werden oder von ihm als Buch bezogen werden : LA COMÉDIATHÈQUE

Theaterstücke in deutscher Übersetzung. Download. Komödie Humor Theater Zeitgenössisches Theater Komisch Zeitgenössisches französisches Theater Französische Komödie französische KomödienTexte von Theaterstücken pdf gratis herunterladen oder das Buch kaufen

Trou de mémoire

Posted mars 27, 2020 By admin

Il est là. Elle arrive.

Lui – Bonjour, ça va ?

Elle – Ça va. Et vous ?

Lui – Ça va, ça va.

Elle – Il ne fait pas chaud, hein ?

Lui – Non, ça on ne peut pas dire qu’il fait chaud. On peut même dire qu’il fait froid.

Elle – Oui, c’est ce que je disais. En employant une litote.

Lui – Pardon ?

Elle – Une litote ! Dire moins pour insinuer plus, si vous préférez. Par exemple… « Je ne te hais point » pour dire « je t’aime ».

Lui – Il ne fait pas chaud, c’est une litote ?

Elle – Ça peut.

Lui – Et ça peut vouloir dire je t’aime ?

L’autre semble un peu déstabilisée, et met un temps pour relancer la conversation comme elle peut.

Elle – Je me demande même s’il ne fait pas plus froid cette année que l’année dernière.

Lui – Ah oui, c’est bien possible.

Elle – Je me souviens, il y a un an, à la même époque, j’étais en maillot de bain sur ma terrasse.

Lui – En maillot de bain ? Vous êtes sûre ? En plein mois de janvier ?

Elle se rapproche de lui.

Elle – Excusez-moi, j’ai dit n’importe quoi, pour meubler. Je ne me souviens plus du tout de mon texte.

Lui – Votre texte ?

Elle – Le trou de mémoire, mais alors là… Je dirais même le trou noir.

Lui – Comment ça, le trou noir…?

Elle – Le blanc, si vous préférez. J’espérais que ça revienne, mais non. Alors j’ai improvisé. Je suis vraiment désolée.

Lui – Désolée ? Mais de quoi ?

Elle – D’avoir oublié mon texte !

Lui – Mais enfin… on n’a pas de texte !

Elle – On n’a pas de texte ?

Lui – Non. Enfin, moi, je n’ai pas de texte.

Elle – Vous êtes sûr ? Alors vous aussi, vous improvisez ?

Lui – Oui, enfin…

Elle – Ça alors… Ça m’étonnait aussi. Balancer de telles platitudes. Donc vous dites n’importe quoi… Ah oui, je comprends mieux.

Lui – Comment ça je dis n’importe quoi ?

Elle – Ce qui vous passe par la tête.

Lui – Ah non, pas tout ce qui me passe par la tête. Je trie un peu quand même.

Elle – Si ce que vous dites, c’est le plus intéressant parmi tout ce qui vous passe par la tête, je n’ose même pas imaginer le reste…

Lui – Et donc vous, vous auriez un texte.

Elle – Ben oui.

Lui – Un texte que vous auriez oublié, donc.

Elle – C’est ce que je pensais, en tout cas. Mais vous êtes sûr que vous ne seriez pas en train de dire un texte, vous aussi.

Lui – Je ne sais pas… Vous croyez ?

Elle – Il y a tout de même quelque chose qui ne colle pas.

Lui – Quoi donc ?

Elle – Si vous, vous êtes en train de dire un texte, ce n’est pas possible que moi je sois en train d’improviser.

Lui – Et pourquoi ça ?

Elle – Ça ne collerait pas.

Elle – Ah oui, c’est sûr.

Elle – Ou alors c’est qu’on est en train d’improviser tous les deux.

Lui – Ou bien qu’on est en train de dire un texte tous les deux.

Elle – Mais qui aurait bien pu écrire des inepties pareilles ?

Lui – Vous savez, le théâtre contemporain… Peut-être que l’auteur improvisait, lui aussi.

Elle – Je vois, l’écriture automatique, tout ça.

Lui – Je pensais que c’était démodé.

Elle – Ce qui est sûr, c’est que l’auteur, lui, il n’avait pas de texte. Au départ…

Lui – Donc, quelque part, il improvisait…

Elle – Oui, on peut dire ça comme ça…

Lui – Alors pourquoi on improviserait pas un peu, nous aussi.

Elle – En fait, je me demande si…

Lui – Quoi ?

Elle – On ne serait pas en train d’écrire le texte à la place de l’auteur.

Lui – Je vois… Les personnages improvisent, et lui il n’a plus qu’à recopier.

Elle – Et c’est lui qui empoche les droits d’auteur.

Lui – Auteur… C’est vraiment un métier de feignant.

Elle – Je dirais même plus : de plagiaire.

Lui – De plagiaire ?

Elle – Si l’auteur plagie ses propres personnages…

Lui – En même temps, vous l’avez dit vous-même. On ne peut pas dire que ce qu’on raconte soit d’une très haute tenue littéraire.

Elle – Non, il faut bien le reconnaître.

Lui – Bon on a peut-être assez improvisé comme ça, non ?

Elle – Oui, ça ira bien.

Lui – Alors ?

Elle – Quoi ?

Lui – Qu’est-ce qu’on disait avant de parler ?

Noir

L’oubliée

Posted mars 27, 2020 By admin

Il est là. Elle arrive.

Lui – Bonjour. Alors qu’est-ce que je lui mets à la petite dame ?

Elle – Je ne sais pas.

Lui – Oh vous, ça n’a pas l’air d’aller fort ? Vous ne voulez pas un petit remontant ?

Elle – Je vous dirais bien ce que je veux, mais dans une minute, vous aurez oublié.

Lui – Ah ça, ça m’étonnerait. Je n’oublie jamais une commande, Mademoiselle.

Elle – Vous oublierez la mienne, vous verrez.

Lui – Ah oui ? Et pourquoi ça ?

Elle – Parce que je suis celle qu’on oublie.

Lui – Pardon ?

Elle – Je suis l’oubliée. Depuis que je suis née, c’est comme ça.

Lui – Comme ça ? Comment ça, comme ça ?

Elle – Pendant sa grossesse déjà, ma mère oubliait souvent qu’elle était enceinte.

Lui – Ah oui…

Elle – Quand je suis née, mon père a oublié de me déclarer à l’état civil. Et quand ma mère a quitté la maternité, elle a oublié de me ramener à la maison avec elle en partant.

Lui – Sans blague ?

Elle – Ce n’est pas qu’ils ne m’aimaient pas. Ils m’oubliaient, c’est tout. Régulièrement, ils oubliaient d’aller me chercher à la sortie de l’école. Et je ne vous raconte pas le nombre de stations-service et de chambres d’hôtel où ils m’ont oubliée quand on partait en vacances.

Lui – Ah merde…

Elle – C’est comme ça. Enfin pas tout le temps. Il y a des périodes d’accalmie, parfois. Et puis ça recommence. Le jour de mon mariage, je pensais que j’étais enfin tirée d’affaire. Que quelqu’un, enfin, allait se souvenir de moi. Mais mon fiancé a oublié de se présenter à la mairie le jour de la cérémonie. Même le maire avait oublié de venir. Mes parents aussi, d’ailleurs…

Lui – Pourtant, vous avez l’air bien mignonne. Pas le genre de fille qu’on a envie d’oublier.

Elle – C’est vrai. J’ai toujours eu beaucoup de succès auprès des garçons. Et pourtant, je n’ai jamais brisé le cœur d’aucun d’entre eux, je vous assure. Pour ça il aurait fallu qu’ils se souviennent de moi. Mais la plupart de mes amoureux oubliaient de venir au deuxième rendez-vous.

Lui – Ah oui…

Elle – Vous connaissez la formule « jamais le premier soir » ?

Lui – Oui…

Elle – Eh bien pour moi, si ce n’était pas le premier soir, le deuxième on m’avait déjà oubliée.

Lui – Ça n’a pas dû être facile tous les jours.

Elle – Ça vous pouvez le dire. Pour trouver un travail, par exemple. Mes entretiens d’embauche, j’étais toujours toute seule. On m’avait oubliée. J’ai quand même réussi à me faire embaucher deux ou trois fois, mais tout le monde finissait par oublier qu’il y avait quelqu’un dans le bureau où je travaillais. Et évidemment, on oubliait de me payer aussi…

Lui – Et alors ?

Elle – Comme je ne pouvais jamais garder un travail, j’ai fini par basculer dans la délinquance.

Lui – La délinquance ? Pourtant, à vous voir, comme ça… Mais comment vous faites pour vivre.

Elle – Dans les magasins, je prends ce que je veux et je sors sans payer.

Lui – Vous allez finir en prison.

Elle – Pensez-vous ! Au bout d’une minute, les vigiles oublient d’appeler la police. Ou bien la police oublie de venir. Ou bien le gardien de prison oublie de fermer la cellule à clef, parce qu’il a oublié qu’il y avait quelqu’un dedans.

Lui – Ah oui, remarquez… Vu comme ça, ça n’a pas que des inconvénients.

Elle – Quand vous m’aurez servi ma consommation, si vous n’oubliez pas de le faire, je partirai sans payer, et vous ne vous souviendrez même pas de m’avoir servie.

Lui – Vraiment ?

Elle – Je n’ai jamais payé une seule note de restaurant, et pourtant, j’y mange tous les jours.

Lui – Mince… Et ça dure depuis longtemps, tout ça ?

Elle – Depuis 1902. C’est mon année de naissance.

Lui – 1902 ? Mais enfin, ce n’est pas possible.

Elle – La mort a dû oublier de venir me chercher, elle aussi.

Lui – Ah oui…

Elle – Je vous le dis… Vous m’oublierez vous aussi.

Un temps.

Lui – Bonjour. Alors qu’est-ce que je lui mets à la petite dame ?

Noir.

Amants d’enfance

Posted mars 27, 2020 By admin

Il est là, elle arrive.

Elle – Tu me reconnais ?

Lui – Non… Je devrais ?

Elle – Marie !

Lui – Marie… Et on se connaît ?

Elle – On était ensemble à la maternelle.

Lui – À la maternelle ?

Elle – Je crois même que tu étais un peu amoureux de moi.

Lui – Ah oui, c’est…

Elle – Tu ne te souviens pas ?

Lui – Non… En même temps, la maternelle… Mais toi ? Comment tu peux me reconnaître après tout ce temps ? Ne me dis pas que je n’ai pas changé…

Elle – Oui, évidemment, on a beaucoup changé… Tous les deux.

Lui – Mais alors comment…? Si on ne s’est pas vus depuis la maternelle…

Elle – Ah mais parce que moi, je t’ai revu depuis. Pas tous les jours. Par intervalle. Mais je t’ai revu régulièrement.

Lui – Comment ça ?

Elle – J’habitais juste en face, à l’époque. J’y habite toujours. Quand mes parents sont décédés, il y a une dizaine d’années, j’ai repris la maison. Toi aussi, apparemment, tu es revenu habiter chez tes parents…

Lui – Oui, enfin… moi ça ne fait pas très longtemps.

Elle – Trois mois.

Lui – À peu près, oui.

Elle – Mais tu venais les voir régulièrement. Donc… je t’apercevais de loin, de temps en temps.

Lui – Et c’est seulement maintenant que tu m’adresses la parole.

Elle – Je n’osais pas… J’avais peur de te déranger…

Lui – Pourquoi aujourd’hui ?

Elle – Je ne sais pas… J’ai divorcé il y a six mois…

Lui – Ah oui…

Elle – Et toi ?

Lui – Il y a trois mois… (Un temps) Tu le savais ?

Elle – Oui.

Lui – Tu connaissais ma femme ?

Elle – De vue.

Lui – De vue ?

Elle – On était au lycée ensemble.

Lui – D’accord.

Elle – C’est une petite ville.

Lui – Oui.

Elle – Évidemment, ça doit te faire un choc.

Lui – Tu veux dire… mon divorce ?

Elle – De me revoir comme ça, des années après.

Lui – Ah oui… Marie…

Moment d’embarras. Ils ne savent plus trop quoi dire.

Elle – Ferme les yeux.

Lui – Pardon ?

Elle – Ferme les yeux et écoute ma voix.

Il ferme les yeux.

Lui – OK…

Elle lui susurre à l’oreille d’un voix qui se veut envoûtante.

Elle – Marie. Marie Desfossés. On était ensemble en moyenne section. J’avais un manteau rouge, un duffle-coat. J’avais des couettes, et un jour à la récréation… (Elle dépose un baiser sur ses lèvres.) Tu m’as embrassée sur la bouche. Tu ne te souviens vraiment pas ?

Lui (troublé) – Marie… Ah oui, peut-être.

Il rouvre les yeux.

Elle – Évidemment, de me revoir comme ça… Après autant d’années… Je sais bien que j’ai beaucoup changé…

Lui – Ben oui, forcément.

Elle – Moi, du coup… Je t’ai vu grandir…

Lui – Oui. Et même vieillir un peu. Alors évidemment… Ça ne fait pas le même choc.

Un temps.

Elle – On pourrait se revoir…

Lui – Si tu habites en face… On va forcément se revoir…

Elle – D’accord… Je vais y aller alors…

Elle s’apprête à repartir.

Lui – C’est vrai, cette histoire ?

Elle – Quoi ?

Lui – Qu’on était à la maternelle ensemble… et tout le reste.

Elle – À ton avis ?

Lui – Je ne sais pas…

Elle – Qu’est-ce que tu préfères ?

Lui – C’est une belle histoire.

Elle – Alors on n’a qu’à dire qu’elle est vraie…

Elle s’en va.

Noir.

Code confidentiel

Posted mars 27, 2020 By admin

Ils sont debout face au public.

Lui – Alors ?

Elle – Non, ça ne me revient vraiment pas…

Lui – Tu es sûre que tu ne l’as pas noté quelque part ?

Elle – Si ! Si, évidemment, que je l’ai noté quelque part.

Lui – Eh ben alors ?

Elle – Le problème, c’est que je ne sais plus où je l’ai noté.

Lui – D’accord…

Elle – Le principe des codes secrets, ce n’est pas de les marquer en gros sur la porte du frigo… ou sur sa valise quand on part en voyage.

Lui – Le principe, c’est surtout de se souvenir où on les a planqués.

Elle – Eh ben voilà, il faut croire que je l’ai bien planqué, parce que même moi, je n’arrive pas à le retrouver.

Lui – Et ton mot de passe, tu ne sais plus du tout ce que c’était ?

Elle – Je ne suis plus très sûre. Je n’ai droit qu’à trois essais, et j’en ai déjà fait deux.

Lui – J’ai l’impression qu’on parle d’un génie sorti d’une bouteille et à qui on ne peut demander que trois choses.

Elle – J’essaie de me souvenir… Des mots de passe, on en a tellement.

Lui – Moi je prends le même pour tout, comme ça je suis sûr de m’en souvenir.

Elle – Et surtout, comme ça si on te le pirate, on peut tout te pirater.

Lui – Mais au moins, je peux accéder à mon compte !

Elle – Eh ben vas-y, accède à ton compte !

Lui – J’ai perdu ma carte bleue, tu le sais bien.

Elle – Tu te souviens de ton mot de passe, mais tu as perdu ta carte, moi je n’ai pas perdu ma carte mais je ne me souviens plus de mon mot de passe.

Lui – Ce n’était pas ta date de naissance ?

Elle – Je ne révèle jamais ma date de naissance à personne. Même pas à ma banque.

Lui – Ton numéro de sécurité sociale ?

Elle – Figure-toi que je choisis des mots de passe un peu plus difficiles à pirater.

Lui – Même par toi…

Elle – Il me semble quand même que cette fois, ce n’était pas juste une série de chiffres au hasard, comme je le fais pour ma grille de loto.

Lui – Bon, mais tu ne te souviens pas du numéro gagnant ?

Elle – On n’a plus droit qu’à un essai. Si ce n’est pas le bon code, la carte sera avalée, et on va mourir de faim.

Lui – Comme tous les habitants de ce pays de merde, d’ailleurs. Qu’est-ce qui nous a pris de venir passer nos vacances ici…

Elle – Ça en revanche, c’est une idée de toi, je te rappelle. Moi je voulais aller en Bretagne. En Bretagne, on ne risquait pas de mourir de faim.

Lui – Bon. Ne dramatisons pas. On peut toujours aller au consulat…

Elle – Le premier consulat est à deux cents kilomètres d’ici. On ne sait même pas où dormir ce soir…

Lui – Alors qu’est-ce que tu proposes ?

Elle – On n’a pas le choix, il faut essayer.

Lui – Comment ça, essayer ?

Elle – Je vais faire un code au hasard, en me fiant à ma mémoire gestuelle. Je l’ai fait des milliers de fois, ce code, mes doigts s’en souviennent sûrement.

Lui – Tu crois ?

Elle – Plus j’y pense, moins je m’en souviens, alors je ne vais penser à rien, et je vais faire le code.

Lui – Je ne sais pas si c’est une bonne idée…

Elle – Tu as une autre solution ?

Lui – Non…

Elle – Alors j’y vais.

Lui – OK… Mais concentre-toi bien.

Elle – Surtout pas ! Je te dis, il faut que je ne pense à rien.

Lui – OK, alors ne pense à rien.

Elle – J’essaie…

Lui – Je suis sûr que tu vas y arriver…

Elle – J’ai l’impression de sauter à l’élastique… Allez je me lance…

Elle ferme les yeux et compose un code. Ils retiennent leur respiration.

Lui – Alors ?

Elle – Ça a marché !

Lui – Alléluia !

Elle – Du coup, on a un peu d’argent, mais à l’étranger c’est limité à cent euros à chaque retrait.

Lui – On ne va pas aller loin avec ça. Enfin, on pourra toujours en reprendre, maintenant que tu as retrouvé ton code…

Elle – C’est-à-dire que…

Elle semble perturbée.

LuiQuoi ?

Elle – Ben j’ai tapé mon code sans réfléchir…

Lui – Et alors ?

Elle – Je ne sais pas du tout ce que j’ai tapé…

Lui – Tu n’as pas vu ?

Elle – J’ai fermé les yeux fermés, pour être sûre de ne penser à rien…

Un temps.

Lui – Je sens que ces vacances, ça va être une expérience inoubliable…

Noir.

Hommage

Posted mars 27, 2020 By admin

Ils sont debout l’un à côté de l’autre face au public, lui un peu en avant, elle légèrement en retrait. Ils affichent un sourire crispé et une mine de circonstance. Il se racle la gorge et sort un papier de sa poche, auquel il jettera un regard de temps.

Lui – Chers amis, chers collègues… Nous sommes ici rassemblés pour célébrer la mémoire de Jean-Claude, qui hélas nous a brusquement quittés il y a quelques jours. Pour nous tous, Jean-Claude était bien plus qu’un collègue, c’était un ami, je dirais même plus, presque un membre de la famille… Jean-Claude était un homme…

Elle essaie discrètement d’attirer son attention en toussant, et devant l’incompréhension de l’autre, elle lui glisse quelque chose à l’oreille.

Lui – Pardonnez-moi d’avoir écorché le prénom de notre cher défunt. L’émotion sans doute… Jean-Jacques était un homme… discret, mais apprécié de tous. Tout au long de sa carrière au Service de la Voirie. (Elle lui lance à nouveau un regard embarrassé et toussote, il jette un regard à son papier et se reprend.) Tout au long de sa carrière au Service du Cadastre, j’ajouterai au service de ses concitoyens et donc au service de la France, Jean-Paul ne s’est jamais fait remarquer pour un mauvais comportement, un geste d’humeur ou un mot plus haut que l’autre. Non, Jean-Paul n’était pas homme à se mettre en avant. Toujours prêt à la cantine, à céder sa place dans la file à quelqu’un de plus pressé que lui. Toujours disposé à remplacer un collègue en arrêt maladie. Toujours volontaire pour prendre ses congés d’été au mois de janvier pour permettre aux autres de partir au soleil en famille. Oui, plus qu’un homme discret, on peut dire que Jean-Jacques, de son vivant déjà, avait choisi de s’effacer. Mais c’était pour mieux laisser à ceux qu’il aimait la possibilité de s’épanouir. Oui, Jean-Charles, vu le peu de place que tu occupais en ce bas monde, on peut vraiment dire que ta disparition laisse un grand vide derrière toi. À la veille de la retraite, tu t’en vas comme tu as vécu. Sans vouloir déranger. Au moins tu seras mort paisiblement. C’est le cœur qui a lâché, sans doute parce que tu l’avais trop grand… (Elle lui glisse à nouveau un mot à l’oreille.) Le cœur… et aussi me dit-on le tramway qui t’a renversé juste au sortir de chez toi. Ce tram qui devait te conduire ici pour ce qui aurait dû être ton dernier jour de travail, et qui finalement t’aura conduit directement au terminus. Tu pars malgré tout entouré de l’amour des tiens, de celui de ta fidèle épouse surtout… (Elle lui fait un signe, et il se reprend.) Cette épouse dont hélas tu avais divorcé il y a de cela bien des années… Le plus dur, dit-on, c’est pour ceux qui restent. Fort heureusement, tu ne laisses derrière toi aucune veuve et aucun enfant. Mais ta famille te pleure malgré tout, Jean-Philippe. Car ta famille, c’était nous… Merci à vous tous d’avoir été présents pour honorer une dernière fois la mémoire de notre regretté Jean-Bernard. Paix à son âme. Et qu’il profite enfin après ce dernier voyage, lui qui n’en avait fait aucun de son vivant, de cette éternelle retraite bien méritée. Et qui celle-là ne coûtera rien à sa caisse de retraite. Adieu Jean-Christophe, tes collègues ne t’oublieront jamais….

Moment de transition pendant que l’assistance est supposée se disperser. Ils restent donc seuls.

Lui (rangeant son papier) – Oh putain, quel calvaire. Qui est-ce qui m’a rédigé ce torchon ? C’est vous ?

Elle – C’est votre premier adjoint. En effet, il n’avait pas l’air très intime avec le défunt.

Lui – Moi non plus… Vous le connaissiez, vous, ce type ?

Elle – Non, pas personnellement. C’était quelqu’un de très discret.

Lui – Vous êtes sûre qu’il est mort, au moins ?

Elle – Oh oui, je crois quand même… Je vais vérifier.

Noir.

Confession

Posted mars 27, 2020 By admin

Il est là, assis face au public. Elle arrive, et s’assied, également face au public.

Lui – Je vous écoute, mon enfant…

Elle – Ce n’est pas facile, mon Père.

Lui – À travers moi, c’est à notre Seigneur que vous confesserez vos péchés. N’oubliez pas que pour lui, faute avouée est à moitié pardonnée. Si en plus vous vous repentez avec sincérité, quoi que vous ayez fait, vous serez absoute.

Elle – C’est-à-dire que… Il ne s’agit pas exactement d’un péché.

Lui – Si vous pensez ne pas avoir commis de péché, pourquoi venir vous confesser ? Mais vous savez, nous commettons tous des péchés, hélas.

Elle – Même vous ?

Lui – Bien sûr, même moi. Je ne suis qu’un homme.

Elle – Mais alors, à qui est-ce que vous vous confessez ? C’est vrai, c’est une question que je me suis toujours posée. Pour les coiffeurs, par exemple. Qui est-ce qui leur coupe les cheveux. Ou pour les médecins. On n’imagine jamais qu’un médecin puisse être malade. Et pourtant, ce ne sont que des hommes eux aussi…

Lui – Je crois que nous nous égarons, ma fille. Depuis combien de temps ne vous êtes-vous pas confessée ?

Elle – Je ne me suis jamais confessée.

Lui – Dans ce cas, comment pouvez-vous prétendre ne jamais avoir péché ? Quand bien même vous seriez une Sainte…

Elle – Je ne suis pas une Sainte, mais ce que j’ai à vous dire est tout à fait extraordinaire.

Lui – Bon… Si cela peut vous aider, je vous écoute. Et nous examinerons ensemble si ce que vous avez fait est ou non un péché.

Elle – Eh bien mon Père, en toute modestie, je pense avoir percé le mystère de l’univers.

Lui – Le mystère de… Si c’est une plaisanterie, sachez que c’est en tout cas un péché de bafouer ainsi la confession, qui est un de nos sacrements les plus précieux.

Elle – Je savais que vous me prendriez pour une folle… Mais c’est bien pour cela que je suis venue vous voir. Si vous, vous refusez de m’écouter, qui le fera ?

Lui – Très bien, alors je vous écoute…

Elle – Eh bien voilà, Docteur…

Lui – Mon Père.

Elle – Pardon… Eh bien voilà, mon Père… je pense avoir compris comment marche tout ça. Comment ça fonctionne. Et surtout pourquoi.

Lui – Tout ça ?

Elle – Le monde ! La vie, la mort, le bien, le mal…

Lui – Rien que ça ?

Elle – L’univers, les galaxies, les trous noirs, les extra-terrestres…

Lui – Je vois… Et comment prétendez-vous être parvenue à une telle connaissance universelle ? Vous êtes scientifique, sans doute ? Si c’est le cas, entendons-nous bien. Mon domaine est celui du doute, de la croyance et de la foi. Pas celui de la certitude, de la vérité et du savoir.

Elle – C’est là où ça va vous surprendre. Je ne suis absolument pas scientifique. D’ailleurs, j’ai toujours été nulle en maths. Mais depuis que je suis toute petite, je me pose des questions sur tout ça. Pas vous ?

Lui – Si… À ma façon…

Elle – Et vous aussi, à votre façon, vous pensez avoir trouvé la vérité.

Lui – Parlons plutôt de ce qui vous amène…

Elle – Bien entendu, assez vite, j’ai compris que je ne trouverai jamais les réponses aux questions que tout le monde se pose sans aucun résultat depuis des millénaires.

Lui – Et…?

Elle – Et pourtant, alors que je n’y croyais plus, la nuit dernière, tout s’est éclairé d’un coup.

Lui – Vraiment ?

Elle – Je dormais à poing fermés. Je me suis réveillée en sueur. Et la solution m’est apparue comme un flash.

Lui – Ne me dites pas que vous avez eu une apparition miraculeuse… Que vous avez vu la vierge…

Elle – Non, bien sûr. Et d’ailleurs, pour ce qui est du secret de l’univers, autant vous dire tout de suite que Dieu n’a pas grand chose à voir là-dedans. C’est aussi pour ça que je voulais vous prévenir en premier. Pour que vous puissiez en parler avec… votre patron.

Lui – C’est très aimable de votre part mais… par curiosité, pourriez-vous me dire en gros ce que vous pensez avoir découvert ?

Elle – Vous allez voir, en fait, c’est d’une simplicité…

Lui – Biblique ?

Elle – Je m’attendais bien sûr à un truc extrêmement compliqué. Puisque les scientifiques d’un côté, et les philosophes de l’autre, n’ont jamais réussi à trouver le début du commencement de la moindre explication.

Lui – Et ?

Elle – Eh bien finalement non… C’est très simple. Même si évidemment, c’est tout à fait étonnant. Sinon vous pensez bien que quelqu’un y aurait déjà pensé avant moi…

Lui – Je vous avoue que vous avez piqué ma curiosité. Je vous écoute…

Elle – Comme cette explication m’est apparue en rêve, je me suis empressée de noter tout ça sur un papier. Ça a beau être simple. Les rêves, vous savez ce que c’est… Le plus souvent, à peine réveillé, on les oublie.

Lui – Alors je vous prie de ne pas me faire attendre davantage. D’autant que j’ai encore plusieurs paroissiens à prendre en confession après vous…

Elle – Eh bien voilà…

Lui – Oui ?

Elle – Attendez, je vous dis ça tout de suite…

Lui – J’attends.

Elle cherche en vain dans son sac le papier en question.

Elle – Et merde !

Lui – Quoi encore ?

Elle – Je ne sais pas ce que j’ai fichu de ce papier. J’étais pourtant sûre de l’avoir mis dans mon sac…

Lui – Mais vous vous souvenez sans doute de quoi il retourne ? En gros, en tout cas…

Elle – Eh bien je vous dis… C’est comme les rêves… C’est parfaitement clair quand on dort. Tout paraît simple et évident mais…

Lui – Oui ?

Elle – Ah, ce n’est pas possible… Je l’ai sur le bout de la langue…

Lui – Je vois…

Elle – Oh, non, c’est trop bête… Le secret de l’univers ! Je l’avais, là… et… ça m’est sorti de l’esprit.

Lui – Vraiment ?

Elle – Non mais attendez, ça va sûrement me revenir… Ça avait un rapport avec… Oh merde, je ne sais plus…

Lui – Bien… Et sinon, vous n’avez rien d’autre à me confesser ?

Elle – Non…

Lui – Dans ce cas, je vais vous demander de partir. Parmi mes paroissiens, d’autres plus malheureux que vous attendent le réconfort de la religion.

Elle – Bien sûr, excusez-moi. Mais je vais y repenser, et si ça me revient…

Lui – Voilà, repensez-y, et revenez me voir si ça vous revient, d’accord ?

Elle – Merci. Je vous dois combien, Docteur ?

Lui – Vous pouvez toujours laisser une offrande dans le tronc en sortant.

Elle – Ça va me revenir, j’en suis sûre… Et puis je vais peut-être retrouver ce fichu papier… C’est moins gros qu’une bible, évidemment, mais bon… Ça tenait en une phrase.

Lui – En une phrase ?

Elle – Malheureusement, je l’ai oubliée…

Noir.

Retour vers le futur

Posted mars 27, 2020 By admin

Elle est là, en blouse blanche. Il arrive en tenue de ville.

Elle – Bonjour Monsieur. Je vous remercie d’avoir accepté de participer à cette expérimentation, qui je vous le rappelle s’inscrit dans un programme de recherche strictement confidentiel, et d’ailleurs classé secret défense.

Lui – Si j’ai accepté votre proposition, sachez-le, ce n’est pas en raison de la généreuse indemnisation que vous offrez pour prendre part à ce protocole d’essai thérapeutique, mais par pur civisme. Je suis catholique pratiquant, mais aussi membre de la CFDT. Si ma modeste contribution permet de guérir l’Humanité d’un des nombreux maux dont elle souffre encore.

Elle – Oui… À ce propos, j’en arrive à l’objet de ce programme de recherche, que nous n’avons pas jugé utile de révéler aux participants avant qu’ils n’aient été définitivement sélectionnés. Mais maintenant que vous faites partie de l’aventure, nous nous devons d’être clairs sur le but que nous poursuivons, et sur les raisons qui nous ont poussés à entreprendre ce programme, baptisé « Retour vers le futur ».

Lui – « Retour vers le futur » ?

Elle – Vous allez bientôt comprendre pourquoi.

Lui – Mais il s’agit bien de tester un nouveau médicament, n’est-ce pas ?

Elle – En réalité… pas tout à fait.

Lui – Vous m’intriguez, Docteur.

Elle – À vrai dire, cher Monsieur, c’est votre sperme qui nous intéresse.

Lui – Là vous ne m’intriguez plus, vous me faites peur.

Elle – Vous évoquiez tout à l’heure les nombreux maux dont souffre encore l’Humanité.

Lui – Je pensais à la fièvre Ebola, au Coronavirus, au SIDA…

Elle – Des maladies bien réelles, contre lesquelles aucun vaccin efficace n’a encore été trouvé à ce jour, hélas.

Lui – Mais…?

Elle – Mais pour être honnête, cher Monsieur, si l’on examine les choses de façon tout à fait objective, est-ce que ce sont vraiment ces virus qui menacent l’existence même de l’Humanité ?

Lui – Non, probablement pas.

Elle – Et à votre avis, quel est ce mal, qui conduit notre planète à sa fin ?

Lui – Je… Je ne sais pas…

Elle – Ce fléau, cher Monsieur, c’est l’Homme.

Lui – L’homme ?

Elle – Enfin, la femme aussi, bien sûr. Je veux dire l’être humain en général.

Lui – Ah oui…

Elle – Surpopulation, déforestation, épuisement des ressources, réchauffement climatique, guerre nucléaire…

Lui – Oui, en effet, mais… en quoi mon sperme pourrait-il vous aider à lutter contre de tels fléaux ?

Elle – Cher Monsieur, la situation, telle que nous pouvons l’appréhender à l’aide des outils qui sont les nôtres, est encore plus désespérée que vous ne pouvez l’imaginer.

Lui – Vraiment…?

Elle – C’est en partant de ce tragique constat que nous en sommes arrivés à la seule solution possible pour éviter la catastrophe finale, en d’autres termes la fin du monde.

Lui – Je vous écoute…

Elle – Vous est-il arrivé, en prenant la mesure de toutes les horreurs dont l’homme est capable, de vous poser cette question toute simple : Quand tout ça a-t-il commencé à merder ?

Lui – Oui, enfin… Et quand à votre avis ?

Elle – La réponse est évidente hélas : quand le singe est devenu un homo sapiens.

Lui – Ah oui…

Elle – Ou selon vos critères à vous, puisque vous êtes catholique, quand Dieu a créé l’Homme.

Lui – Vous pensez qu’il a eu tort ?

Elle – Il suffit pour s’en convaincre de constater les résultats aujourd’hui. C’était une véritable bombe à retardement.

Lui – Bon… Et qu’est-ce que vous proposez, exactement ?

Elle – On a bien pensé d’abord à créer un surhomme. Mais ça a déjà été tenté par le passé, avec les conséquences fâcheuses que l’on connaît. Avec l’homme, on va à la catastrophe. Avec un surhomme on y court.

Lui – Ah oui…

Elle – Ce n’est donc pas du côté de la marche avant qu’il faut chercher la solution, mais plutôt du côté de la marche arrière.

Lui – La marche arrière ?

Elle – Les plus grands scientifiques du monde, ainsi que les meilleures spécialistes des sciences humaines, y compris les plus éminents philosophes, se sont réunis secrètement il y a quelques mois sous l’égide de l’ONU. Ils sont formels : la seule véritable solution à long terme pour sauver la Terre, c’est de ramener l’homme au stade du singe.

Lui – Comment ça ramener ?

Elle – Pas d’un seul coup, évidemment. Mais en modifiant peu à peu par une sélection naturelle les caractéristiques génétiques de nos descendants. Et c’est là où nous avons besoin de vous.

Lui – De moi ?

Elle – Enfin de votre sperme, en tout cas.

Lui – Expliquez-moi ça…

Elle – Des études scientifiques montrent que, parmi toutes les catégories de la population mondiale, les catholiques pratiquants sont les plus proches génétiquement du singe.

Lui – Vraiment ?

Elle – En réalité, la règle vaut pour les croyants en général. Mais nous avons contacté un échantillon d’extrémistes d’autres confessions, et ils ont refusé de collaborer…

Lui – Je vois…

Elle – Et puis on n’allait pas non plus faire surgir une nouvelle espèce humaine, plus proche du primate, à partir des seuls gènes de fanatiques religieux. Car il y a aussi des singes très agressifs, vous savez…

Lui – Bien sûr…

Elle – C’est d’ailleurs la raison pour laquelle nous avons aussi opéré une sélection parmi les catholiques pratiquants.

Lui – Et pourquoi moi ?

Elle – C’est là où dans nos études statistiques, le côté syndicaliste semble jouer en votre faveur. À condition qu’il s’agisse d’un syndicat réformiste, évidemment. Parmi les catholiques pratiquants, ceux qui sont aussi membres de la CFDT semblent les moins agressifs et les plus aptes à collaborer.

Lui – Je vois.

Elle – Maintenant que vous êtes au courant de tout, je vous repose donc solennellement la question, cher Monsieur : Êtes-vous prêt, en faisant don de votre sperme, à participer à la régénération de la race humaine en la faisant rétrograder au stade du singe ?

Lui – J’avoue que cette proposition… me prend un peu de court.

Elle – Vous comprenez mieux maintenant le nom que nous avons donné à cette mission de la dernière chance : « Retour vers le futur ». En ramenant l’Homme à l’état de primate, nous espérons que dans son développement à venir, il choisira une voie plus raisonnable…

Lui – Je suis sensible à l’honneur que vous me faites, et j’ai conscience de ma responsabilité. C’est pourquoi je vous confirme mon accord pour participer à cette opération de sauvetage de l’Humanité.

Elle – Merci, cher Monsieur, votre réponse ne m’étonne pas, au regard de ce que nous savons de vous. Je vous recontacterai donc très prochainement pour commencer le protocole.

Lui – Je me tiens à votre disposition.

Elle – Grâce à vous, dans deux ou trois générations, l’Homme aura oublié jusqu’au souvenir d’avoir été un Homme.

Il sort. Elle prend son portable et compose un numéro.

Elle – Tu ne vas pas le croire, mais il a accepté…

Noir.

Noir et blanc

Posted mars 27, 2020 By admin

Elle est là. Il arrive, un gros cahier à la main.

Elle – Bonjour, bonjour… Entrez, entrez…

Lui – Merci, merci…

Elle – Vous n’avez pas eu trop de mal pour venir ? Avec ces grèves…

Lui – J’habite juste en face.

Elle – En face ? Vous voulez dire…

Lui – L’immeuble en face.

Elle – D’accord, d’accord… Je ne savais pas que… C’est curieux, j’étais persuadée que cette fenêtre-là, sur le mur d’en face, c’était un trompe-l’œil.

Lui – Un trompe-l’œil ?

Elle – Oui. Que la fenêtre était peinte sur le mur. Je n’ai jamais rien vu bouger derrière cette fenêtre.

Lui – Et pourtant, je suis là, vous voyez…

Elle – Je vois… Et donc, de votre salon, vous voyez tout ce qui se passe ici.

Lui – Absolument tout…

Elle rit nerveusement, comme pour se rassurer.

Elle – Remarquez… qu’est-ce qui pourrait bien se passer d’intéressant dans le bureau d’un agent littéraire ?

Lui – Ça, c’est à vous de me le dire.

Elle – Bien sûr, bien sûr… Alors, ce nouveau roman, ça avance ?

Lui – J’ai presque terminé.

Elle – Très bien, très bien… J’espère que c’est original, parce que vous savez, en ce moment… La rentrée littéraire est de plus en plus encombrée… Des tas de gens qui racontent leur petite vie, et leurs petits malheurs, persuadés que ça va passionner la Terre entière.

Lui – Rassurez-vous, ce n’est pas une autofiction.

Elle – Tant mieux, tant mieux… Non, ce dont on aurait besoin aujourd’hui, c’est d’un nouveau Robbe-Grillet. D’un nouveau Pérec. D’un nouveau Butor. Quelqu’un qui soit encore capable de renouveler les codes du roman classique.

Lui – Vous allez voir. Ça va vous étonner. Et je ne serais pas surpris qu’en sortant d’ici, vous me traitiez de butor.

Elle – Mais bien sûr ! Il faut tout faire péter. Comme en mai 68. On sait que ça ne durera pas, que six mois après on votera pour De Gaulle, et que soixante ans après c’est Cohn-Bendit qui se prendra pour De Gaulle, mais sur le moment, ça soulage…

Lui – C’est drôle que vous disiez « soulage » parce que justement… Vous comprendrez pourquoi quand vous aurez jeté un coup d’œil à mon manuscrit…

Elle – Là… vous commencez à m’intriguer, cher ami. J’ai hâte de voir ça. Vous m’avez apporté quelques bonnes feuilles ?

Lui – J’ai presque terminé. Tenez, si vous voulez y jeter un coup d’œil…

Il lui tend le gros cahier.

Elle – Très bien, très bien… Ah oui, c’est du lourd, on dirait… Ce n’est pas trop long quand même ? Vous savez, maintenant, au-delà de 200 pages… Que voulez-vous ? C’est la génération SMS. Les gens ont perdu l’habitude de tourner les pages…

Elle sort ses lunettes de presbyte.

Lui – Ça fera dans les 900 pages. Mais vous verrez, ça se lit très facilement.

Elle – Bon, bon… Et c’est quoi, le titre ?

LuiLe blanc et le noir.

ElleLe blanc et le noir… Un hommage à Stendhal, peut-être ?

Lui – À Soulages, plutôt… C’est pour ça que tout à l’heure, je vous disais que…

Elle – Soulages ? Tiens donc… J’adore Soulages.

Lui – D’ailleurs, pour le titre, j’avais d’abord pensé à… Les mémoires d’outrenoir.

Elle – Ah oui… Un clin d’œil à Chateaubriand, donc… Mais dites-moi, Stendhal, Chateaubriand… Vous êtes sûr qu’avec tout ça, vous allez vraiment révolutionner l’histoire de la littérature ?

Lui – Vous allez voir, c’est très étonnant.

Elle – Très bien, très bien… alors voyons ça.

Elle ouvre le cahier et commence à regarder. Elle tourne quelques pages.

Lui – Je vous laisse le temps de vous faire une idée…

Elle – Oui… mais dites-moi. Apparemment, vous avez laissé quelques pages blanches au début. Ça commence à quelle page, exactement ?

Lui – C’est déjà commencé.

Elle – Pardon ?

Lui – Ces pages blanches, ça fait partie du roman.

Elle – Je ne suis pas sûre de vous suivre…

Lui – Je vous avais dit que ça vous surprendrait. Alors voilà. J’ai calculé que sur une page de roman, en moyenne, les caractères d’imprimerie, en noir donc, occupent huit pour cent de la surface de la page blanche.

Elle – Huit pour cent ?

Lui – En moyenne. Ça dépend du type de caractères employés par l’imprimeur, évidemment. Pour un caractère plus gros et plus gras, ça peut monter jusqu’à neuf ou même dix pour cent.

Elle – Vraiment…? Et donc…

Lui – Donc, j’ai eu l’idée de séparer le blanc du noir.

Elle – Voyez-vous ça.

Lui – Après, je me suis demandé si je devais mettre le blanc d’abord et ensuite le noir, ou bien l’inverse…

Elle – Ah oui…

Lui – Finalement, j’ai décidé de commencer par le blanc… Pour créer… une attente de la part du lecteur, vous voyez ?

Elle – Je vois, je vois…

Lui – Une sorte de suspense, si vous préférez.

Elle – Je ne suis pas sûre de savoir ce que je préfère… (Tournant les pages) Et donc, toutes les pages sont blanches.

Lui – Pas du tout. Et c’est là où ça devient intéressant. Pour simplifier, je suis parti sur une moyenne de dix pour cent. Donc, systématiquement, après neuf pages blanches vient une page noire.

Elle – Noire ?

Lui – Totalement noire.

Elle – Pourquoi noire ?

Lui – Je savais que ça vous déstabiliserait un peu. Mais c’est ce que vous vouliez, non ? Du nouveau ?

Elle – Oui, enfin…

Lui – Cette page noire, qui vient après neuf pages blanches, rassemble toute l’encre qu’on aurait normalement dû utiliser pour noircir, comme on dit, les neuf pages précédentes, qui en l’occurrence, dans mon roman, resteront vierges. Vous comprenez ?

Elle – Je comprends, je comprends…

Lui – Je vois que ça vous laisse un peu perplexe, c’est normal. Comme tout ce qui est nouveau, ça peut surprendre un peu au début, alors vous me permettrez d’utiliser une métaphore, pour vous aider à mieux appréhender le caractère révolutionnaire de ce roman.

Elle – Une métaphore ?

Lui – Un roman, c’est comme une omelette. Mais des omelettes comme ça, on en a fait le tour. On a beau rajouter des oignons, des pommes de terre, des herbes de Provence… Une omelette, ça reste une omelette. Là, je fais un choix radical, et je reviens aux fondamentaux. Je sépare le blanc du jaune. Ou le blanc du noir, en l’occurrence. D’où le titre…

Elle – Vous vous foutez de moi, c’est ça ?

Lui – Je savais que vous alliez dire ça… Mais non… Pas plus que tous ces peintres qui vous vendent des tableaux complètement blancs ou complètement noirs, en baptisant pompeusement ça monochrome !

Elle – Évidemment…

Lui – Ce premier roman du genre est un geste fondateur. Par la suite, bien sûr, je pourrais en écrire d’autres, dans lesquels le blanc ne sera plus tout à fait blanc, et le noir plus tout à fait noir. Mais attention ! Toujours en respectant cette proportion sacrée de dix pour cent !

Elle – Dix pour cent.

Lui – Les peintres ont bien leur nombre d’or, pourquoi pas nous, les auteurs ? Et la preuve que ce chiffre est sacré, dix pour cent, c’est ce que vous me prenez en tant qu’agent sur tous mes droits d’auteur !

Elle – Et vous croyez vraiment que je vais vous verser une avance pour cette fumisterie ?

Lui – Je vous l’ai dit, j’habite juste en face… et de chez moi, je vois tout ce qui se passe dans ce bureau.

Elle – Tout ?

Lui – Tout. J’ai même des vidéos…

Elle – Je vois… Et… vous voulez combien, pour oublier tout ce que vous avez vu ?

Noir.

Trompe-l’œil

Posted mars 27, 2020 By admin

Debout face au public, ils regardent vers le mur du fond.

Lui – Il fait beau, hein ?

Elle – Mais il y a beaucoup de vent.

Lui – Oui. C’est le vent qui a chassé les nuages…

Un temps.

Elle – Tu vois la fenêtre d’en face ?

Lui – Quelle fenêtre ?

Elle – Là-bas, légèrement cachée par le feuillage de cet arbre.

Lui – Ah oui, celle-là… C’est curieux, on ne voit jamais de lumière la nuit.

Elle – Je ne sais pas qui peut bien habiter là.

Lui – Personne, peut-être. Le logement doit être inoccupé. Ça arrive…

Elle – Je ne sais pas… Pendant la journée, il me semble apercevoir des silhouettes derrière ces vitres. À travers ces branches.

Lui – Ah oui ?

Elle – Un homme et une femme, je crois.

Lui – Ça me rappelle un film…

Elle – Quel film ?

Lui – Fenêtre sur cour ! Ne me dis pas qu’en plus, tu as cru voir cet homme assassiner sa femme…

Elle – Non, mais tout de même… J’ai l’impression qu’il se passe quelque chose de bizarre derrière cette fenêtre.

Lui – Tu n’as rien d’autre à faire que d’épier ce qui se passe dans l’immeuble d’en face ?

Elle sourit et regarde à nouveau avec plus d’attention.

Elle – Attends un peu… C’est dingue. On dirait que…

Lui – Quoi ?

Elle – Il y a un vent terrible aujourd’hui, et les feuilles de cet arbre ne bougent absolument pas.

Il regarde lui aussi.

Lui – Ah oui, c’est curieux en effet…

Elle – Tu vas rire mais…

Lui – Oui ?

Elle – L’arbre… C’est un trompe-l’œil.

Lui – Un trompe-l’œil ?

Elle – Je t’assure. Regarde.

Il regarde plus attentivement.

Lui – Ah oui. Je n’avais jamais remarqué.

Elle – Je me disais aussi…

Lui – Mais alors… si l’arbre est un trompe-l’oeil, c’est que la fenêtre en est un aussi.

Elle – Tu crois ?

Lui – Comment veux-tu qu’un faux arbre puisse cacher une vraie fenêtre ?

Elle – Oui, ce n’est pas faux.

Elle – Si l’arbre est un trompe-l’œil peint sur le mur d’en face, c’est que la fenêtre aussi est peinte sur le mur.

Lui – Un arbre qui n’existe pas, cachant une fenêtre qui n’existe pas.

Elle – C’est pour ça que ça que l’illusion marche aussi bien. On se dit que quelque chose qui est caché, c’est forcément quelque chose de réel. Pourquoi cacher quelque chose qui n’existe pas ?

Lui – Un peu comme Dieu, finalement. Les gens y croient d’autant plus qu’on ne le voit jamais.

Elle – Si Dieu se trimbalait dans les supermarchés avec une fausse barbe et un costume élimé, comme le Père Noël au moment des fêtes, c’est sûr que les gens n’y croiraient pas longtemps.

Lui – Oui…

Un temps.

Elle – Et si on était des trompe-l’œil, nous aussi ?

Lui – Quoi ?

Elle – Peut-être que les gens qui nous regardent nous voient comme des illusions d’optique. Des peintures ou des photos de nous-mêmes.

Lui – Mais nous on est là, on bouge, on parle.

Elle – Les vidéos, ça bouge aussi.

Lui – On est en trois dimensions.

Elle – Les hologrammes, c’est aussi en relief. On est peut-être des trompe-l’œil en trois D.

Lui – Il faudrait demander à ceux d’en face.

Elle – En même temps, quel crédit accorder aux voisins… si ce ne sont que des trompe-l’œil eux-aussi…

Lui – Je crois qu’on commence à devenir fous.

Elle – Tu as raison, je vais refermer la fenêtre.

Elle hésite.

Lui – Ne me dis pas qu’elle est peinte contre le mur…

Ils échangent un regard inquiet.

Noir.